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Erdogan fragt das Mädchen indirekt, ob sie für die Türkei sterben würde.
Erdogan fragt das Mädchen indirekt, ob sie für die Türkei sterben würde.(Foto: AP)
Sonntag, 25. Februar 2018

"Soldaten weinen nicht": Erdogan tadelt weinendes Mädchen

Skandalöser Auftritt des türkischen Präsidenten: Recep Tayyip Erdogan wirbt für die Militäroffensive in Syrien. Dabei holt er ein Mädchen auf die Bühne, das anfängt zu weinen, als er sie zur Märtyrerin erklärt.

Eine Rede, bei der der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein weinendes Mädchen in Soldatenuniform zurechtweist, hat für Aufregung gesorgt. Erdogan hatte bei einer Veranstaltung in der Provinz Kahramanmaras in Anatolien das Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne geholt und ermahnte sie, dass Soldaten nicht weinten.

Er küsste das Kind auf die Wange, tätschelte es und sagte dann an die Menge gerichtet: "Wenn es als Märtyrer fällt, werden sie es auch - so Gott will - mit der Fahne zudecken. Es ist alles bereit". Dann beugte Erdogan sich zu dem Mädchen und sagte: "Nicht?" Das Mädchen fühlte sich offensichtlich unwohl, antwortete aber dennoch mit "Ja". Erdogan küsste es erneut und schickte es von der Bühne.

Der Sarg gefallener Soldaten wird beim Begräbnis in der Regel mit einer türkischen Flagge bedeckt. Erdogan drängt das Mädchen in die Rolle eines Märtyrers. "Krank und widerlich" sei das, twitterte die Journalistin Aslı Sevindim, der türkische Oppositionsjournalist Can Dündar spricht von "politischem Kindesmissbrauch". Über den Vorfall berichtete auch die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet", dort ist auch die komplette Szene zu sehen.

In seiner Rede hatte Erdogan die Offensive im nordsyrischen Afrin verteidigt. Es gehe darum, die Grenzen zu schützen. Die Türkei hatte am 20. Januar eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordwestsyrien begonnen. Die islamisch-konservative Regierungspartei setzt dabei auch auf nationalistische Gefühle. Auch viele Gegner Erdogans befürworten den Militäreinsatz, bei dem bisher 33 türkische Soldaten getötet wurden.

Trotz der UN-Resolution für eine Waffenruhe in Syrien gehen die Kämpfe in der nordwestsyrischen Region Afrin weiter. Das türkische Militär und verbündete Rebellen seien unterstützt von Luftangriffen weiter vorgerückt und hätten mehrere Dörfer unter ihre Kontrolle gebracht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Quelle: n-tv.de