Panorama

Missbrauch eines Neunjährigen Erster Staufener Täter vor Gericht

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Der Angeklagte hat bereits wegen ähnlicher Delikte im Gefängnis gesessen.

(Foto: imago stock&people)

Mindestens über zwei Jahre hinweg wird ein Junge immer wieder an fremde Männer "vermietet", die ihn schwer sexuell missbrauchen. Als der Fall entdeckt wird, herrscht blankes Entsetzen. Nun wird dem ersten "Kunden" der Prozess gemacht.

Es klingt nach einem überschaubaren Verfahren. Ein Angeklagter, drei Verhandlungstage mit der Vernehmung von sechs Zeugen sind am Landgericht Freiburg angesetzt, das Urteil könnte möglicherweise bereits in der kommenden Woche fallen. Doch der Prozess gegen Markus K. ist erst der Anfang.

Denn K. gehört nach Überzeugung der Ermittler zu jenen Tätern, die einen inzwischen Neunjährigen aus Staufen jahrelang sexuell missbrauchten. Dem Prozess gegen den 41-Jährigen wegen schwerer Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und Erwerbs und Besitzes kinderpornografischer Schriften werden noch in diesem Jahr weitere folgen. K. war der Staatsanwaltschaft zufolge einer der "Kunden", die der Mutter und dem Stiefvater für die Vergewaltigung des Jungen zum Teil mehrere Tausend Euro zahlten.

Im vergangenen September erhielt das BKA einen Hinweis auf Filme und Bilder, die im Internet von den Taten kursierten. Schon kurze Zeit später wurden der Stiefvater und die Mutter des Opfers festgenommen. Mindestens zwei Jahre soll das Martyrium des Kindes gedauert haben. Immer wieder gaben sie den Jungen in Hotel- oder Pensionszimmern bei verschiedenen Männer ab, manchmal waren sie auch selbst beteiligt und filmten die ungeheuerlichen Vorgänge.

Erschütterte Ermittler

Das Bildmaterial konnten die Ermittler auf einer Festplatte sichern, die der Stiefvater Christian L. in den Stadtsee von Staufen geworfen hatte. Er war es, der FBI-Experten auf der kriminellen Darknet-Plattform "PlayPen" auffiel, wo er unter dem Decknamen "GeilerDaddy" aktiv war. L. und die Mutter des Jungen, Berrin T. müssen sich ab Juni vor Gericht verantworten. Sie gelten als die Haupttäter.

Monatelang hatten die Beamten der Soko "Kamera" nach den verschiedenen Tätern gefahndet, insgesamt acht Personen konnten sie schließlich ermitteln. Ob das wirklich alle sind, wird möglicherweise niemals geklärt. Die Ermittler sprechen von dem schlimmsten Fall dieser Art, der ihnen jemals untergekommen ist. "Wir haben es mit äußerst brutalen und menschenverachtenden Verbrechen zu tun", sagte der Freiburger Kripo-Chef Peter Egetemaier nach Bekanntwerden der Taten. Die Bilder und Töne hätten sich den Beamten "eingebrannt".

Besonders bitter für das Opfer ist, dass Gerichte und Jugendamt bereits mit dem Umfeld des Jungen beschäftigt waren. Doch trotz Warnungen der Polizei kehrte das Kind zu seiner Mutter zurück und auch das Kontaktverbot, das gegen den Stiefvater verhängt worden war, kontrollierte niemand. Er war wie viele der jetzt ermittelten Täter bereits einschlägig vorbestraft. Auch der Angeklagte Markus K. wurde schon einmal wegen schweren Kindesmissbrauchs und Besitzes kinderpornografischer Schriften zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt und stand nach der Verbüßung der Strafe zur Tatzeit unter sogenannter gerichtlicher Führungsaufsicht. Nun drohen ihm erneut mehrere Jahre Haft.

Der Junge ist seit Bekanntwerden der Taten in der Obhut der Behörden und wird in dem Prozess als Nebenkläger auftreten. Er wird durch eine Opferschutzanwältin vertreten und muss nicht persönlich vor Gericht erscheinen. Um ihn zu schützen, wird der Prozess möglicherweise teils unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Quelle: n-tv.de

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