Panorama

Rückkehr in den Alltag in Paris Erstes Café öffnet nach den Anschlägen

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"Ich bin auf der Terrasse" - eine etwas weniger pathetische Form des "Ich bin Paris" - schmückt das wiedereröffnete Café.

(Foto: dpa)

Die zerschossenen Scheiben sind repariert und die Wände frisch gestrichen: Im Pariser Osten bedient das Café Bonne Bière wieder die ersten Gäste. Genau dort, wo IS-Attentäter vor drei Wochen fünf ihrer insgesamt 130 Opfer ermordeten.

Es ist eine schwierige Rückkehr zur Normalität: Auf den Tag genau drei Wochen nach den Anschlägen von Paris hat das erste der attackierten Lokale wiedereröffnet. Das "Café Bonne Bière" im elften Pariser Bezirk hat den Betrieb wieder aufgenommen - begleitet von einem gewaltigen Medieninteresse.

Es gehe darum, "das Viertel wieder aufleben zu lassen", sagt die Restaurantgeschäftsführerin Audrey Bily. "Wir haben einige Arbeiten vorgenommen, die Wände neu gestrichen, die Narben dieses Albtraums entfernt", sagte Bily. "Wir wollen ihnen (den Islamisten) zeigen, dass wir stärker sind als sie." Das "Café Bonne Bière" sei "ein Ort der Begegnungen, des Austauschs und des Teilens".

"Ich muss fühlen, dass das Leben weitergeht", sagt David, der an der Theke des "Café Bonne Bière" einen Espresso trinkt. "Wir dürfen nicht der Angst nachgeben, wir müssen kämpfen. Das ist eine tägliche Arbeit." Er habe "tausend Mal, bei tausend Gelegenheiten" auf der Terrasse des "Café Bonne Bière" gesessen, sagt der 45-Jährige. "Wir Bewohner des Viertels haben das Bedürfnis, wieder zusammen zu sein. Es tut gut, unter uns zu sein, mit den Leuten, die ins gleiche Café, in den gleichen Blumenladen, zum gleichen Bäcker gehen".

Nach und nach wollen alle wieder öffnen

In den vergangenen Tagen sind im "Café Bonne Bière" - bonne bière bedeutet auf Deutsch gutes Bier - die Schäden beseitigt und die durch Schüsse durchlöcherten Scheiben ausgetauscht worden. Im Inneren des Restaurants riecht es noch nach frischer Farbe. Auf der Terrasse des "Café Bonne Bière" wurden wieder kleine Tische aufgestellt. Am Rand des Bürgersteigs liegen nach wie vor zahllose Blumen und Kerzen, die Trauernde in Gedenken an die Anschlagsopfer abgelegt haben.

Auch andere betroffene Bars und Restaurants wollen nach den Anschlägen wieder öffnen, Termine stehen aber noch nicht fest. Die Konzerthalle Bataclan, in der drei Angreifer bei der Anschlagsserie die meisten Menschen ermordeten, soll nach dem Willen ihrer Betreiber Ende 2016 wieder öffnen.

Islamistische Attentäter hatten am 13. November eine Reihe von Bars und Restaurants im Pariser Osten attackiert - darunter das nahe dem Canal Saint-Martin gelegene "Café Bonne Bière" und die auf der anderen Straßenseite liegende Pizzeria "Casa Nostra". Sie erschossen auf der Terrasse des "Café Bonne Bière" fünf Menschen. Die Terroristen hatten auch versucht, in die Fußballarena Stade de France einzudringen. Insgesamt wurden bei den Anschlägen 130 Menschen getötet. Zu dem tödlichsten Anschlag in der Geschichte Frankreichs bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Quelle: ntv.de, Fabian Erik Schlüter, AFP