Panorama

Neuer Höchststand erreicht Erstmals mehr als 3000 Covid-Intensivfälle

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Kliniken in Berlin sind angehalten, aufschiebbare Operationen abzusagen, um Betten für Corona-Patienten freizuhalten.

(Foto: dpa)

In den vergangenen Tagen war es absehbar, jetzt ist der neue Höchststand erreicht: 3005 Menschen werden aktuell in deutschen Kliniken intensiv wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt - so viele wie nie zuvor. Und diese Zahl dürfte in den kommenden Wochen noch deutlich steigen.

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland den Höchstwert vom Frühjahr übertroffen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) meldete, dass 3.005 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Davon werden 1.688 (56 Prozent) invasiv beatmet. Der bisherige Höchststand war laut Divi am 18. April mit 2.933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

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Tatsächlich sei die Lage in den Kliniken derzeit sogar schlimmer als im Frühjahr, sagte Divi-Präsident Uwe Janssens. Es gebe wesentlich mehr infizierte Patienten auf den anderen Stationen - von denen ein Teil noch auf den Intensivstationen landen werde. Die gesamte Infektionslage sei nicht mit der im April vergleichbar.

Anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, sagte Janssens. Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensivstationen niederschlägt. "In vier Wochen werden wir die Folgen der Spitzenwerte jetzt sehen." Einige Zentren seien bereits am Anschlag, es müssten vereinzelt bereits Covid-19-Patienten in andere Kliniken gebracht werden.

Hinzu kommt, dass der Anteil älterer Infizierter nach Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) seit Ende September wieder steigt. Sie haben ein höheres Risiko, schwer zu erkranken - und damit auch dafür, zu Patienten auf Intensivstationen zu werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn argumentierte angesichts der hohen Zahl an täglichen Neuinfektionen: "Wenn von 20.000 Neuinfizierten an einem Tag etwa 2 Prozent in die Intensivmedizin müssen, dann sind das 400 am Tag. Wenn die intensivmedizinische Behandlung und Begleitung 15 Tage im Schnitt dauert - sind das 6000." Diese Zahl werde Deutschland noch "im November erreichen, das ist im Grunde schon absehbar", sagte er der "Bild"-Zeitung.

In Berlin dürfen viele große Krankenhäuser bereits nur noch solche planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe durchführen, die medizinisch dringlich sind. Das geht aus einer Verordnung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hervor, die zum Samstag in Kraft trat. Die Kliniken erhalten Freihaltepauschalen, damit Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten frei gehalten werden können. Janssens hält eine solche Regelung bundesweit für nötig, vor allem für die Kliniken, die stark in die Behandlung schwerkranker Covid-19-Patienten eingebunden sind. Im Frühjahr waren alle Kliniken aus dem Regelbetrieb genommen worden.

Laut aktuellem Divi-Tagesreport haben die Kliniken in Deutschland knapp 8.400 freie Intensivbetten gemeldet, bei denen sowohl ausreichend Technik als auch Personal zur Verfügung steht. Allerdings warnte Divi-Präsident Janssens vor einigen Tagen, dass mitunter auch Betten als frei gemeldet würden, für die gar kein Pflegepersonal verfügbar sei. Die Kliniken geben laut Divi zudem an, im Notfall innerhalb von sieben Tagen gut 12.000 weitere Intensivbetten in Betrieb nehmen zu können.

Quelle: ntv.de, jog/dpa