Panorama

Spritzte Arzt Schwerkranke tot? Essen: Patientenschützer fordern Aufklärung

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Der Mediziner soll laut Klinikum erst seit Februar an dem Krankenhaus in Essen beschäftigt gewesen sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Essener Oberarzt soll zwei Corona-Patienten Medikamente verabreicht haben, die zum sofortigen Tod führten. Nun fordern Patientenschützer alle Sterbefälle im Umfeld des mutmaßlichen Täters zu überprüfen. Fielen dem Arzt möglicherweise noch mehr Menschen zum Opfer?

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz hat eine Aufarbeitung aller Sterbefälle im Umfeld des Oberarztes der Essener Uniklinik gefordert, dem von der Polizei Totschlag vorgeworfen wird. "Da der Arzt auch in leitender Funktion war, müssen alle Sterbefälle der letzten Jahre aufgearbeitet werden, in denen der Mediziner Dienst hatte", sagte Eugen Brysch.

Der 44 Jahre alte Mediziner soll nach Angaben der Polizei zwei todkranken Männern Medikamente verabreicht haben, die zum sofortigen Tod führten. Die beiden Patienten im Alter von 47 und 50 Jahren lagen laut Polizei auf der Station des Oberarztes. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung handelte es sich bei den beiden gestorbenen Männern um Corona-Patienten, die auf der Covid-19-Station des Uniklinikums behandelt wurden. Sie hätten sich in einem sehr kritischen gesundheitlichen Zustand befunden. Der eine starb am 13. November, der andere am 17. November.

Der Arzt wurde am 18. November festgenommen. Einen Tag später ordnete ein Richter Untersuchungshaft an. Er kam in Haft, eine Mordkommission ermittelt.

"Für Täter ist die Gefahr gering, schnell überführt zu werden"

Krankenhäuser seien auch Orte des täglichen Sterbens, sagte Brysch. "Für Täter ist deshalb die Gefahr gering, schnell überführt zu werden." Bei tödlich verlaufenden Krankheiten sei es die Aufgabe der Ärzte, "in Abstimmung mit den Patienten leidenslindernde palliative Hilfe beim Sterben" zu ermöglichen. Im Fall des Oberarztes in Essen bestünden nun "berechtigte Zweifel, ob das die Motive des Mediziners waren".

Die Polizei hatte mitgeteilt, dass der Beschuldigte zu einem der Fälle angegeben habe, dass er das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen habe beenden wollen. Der Arzt sei seit Februar in der Uniklinik Essen beschäftigt gewesen, teilte das Klinikum mit.

Quelle: ntv.de, can/dpa