Panorama

Im Corona-Lockdown radikalisiert Europol sagt steigende Terrorgefahr voraus

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Die Polizeibehörde warnt vor Einzeltätern, die sich im Corona-Lockdown radikalisieren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Regelmäßig verzeichnet Europol die Zahl extremistischer Übergriffe. Für das Corona-Jahr sieht der Trend besorgniserregend aus: Strenge staatliche Maßnahmen könnten Radikale zu terroristischen Anschlägen ermutigen, sagt die europäische Polizeibehörde voraus.

Europol hat vor einer Radikalisierung von Einzeltätern durch strenge Corona-Maßnahmen gewarnt. Die Gefahr von terroristischen Anschlägen steige, heißt es im neuesten Terrorismus-Bericht der Polizeibehörde, der in Den Haag vorgelegt wurde. Die möglichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie könnten die Radikalisierung anheizen, schreibt Europol-Chefin Catherine De Bolle im Vorwort des Berichts. "Aktivisten der links- wie auch rechtsextremistischen Seite sowie aus Kreisen des dschihadistischen Terrorismus versuchen, die Pandemie auszunutzen, um ihre Ziele weiter zu propagieren."

Die Zahl der Anschläge von Separatisten und nationalistischen Gruppen ging dem Bericht zufolge zurück. Dagegen erlebte Europa aber Auswirkungen einer weltweiten Welle von rechtsextremistisch motivierter Gewalt, schrieb Europol weiter. Viele rechtsextremistische Gruppen in Europa seien zwar nicht gewalttätig. "Sie tragen aber zu einem Klima der Angst und Feindseligkeit gegenüber Minderheiten bei." Das könne bei Einzelnen die Schwelle zur Gewalt senken, warnt Europol. Auch bei Linksextremisten nehme die Gewaltbereitschaft derzeit zu.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 119 terroristische Anschläge registriert, zehn weniger als im Vorjahr. Europol zählt dazu auch fehlgeschlagene und vereitelte Attacken. Anschläge von nationalistischen und separatistischen Gruppen waren mit 57 am häufigsten. Es gab 26 linksextreme Anschläge. Rechtsextremisten verübten sechs Attacken in der EU, im Vorjahr war es nur eine. 21 Anschläge gingen auf das Konto von Dschihadisten, 2018 waren es 24.

Quelle: ntv.de, mau/dpa