Panorama

4,9 Milliarden Euro verzockt Ex-Banker Kerviel muss ins Gefängnis

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Verzockte Milliarden; Jérôme Kerviel-

(Foto: Reuters)

Der als Milliardenzocker bekannt gewordene ehemalige Börsenhändler Kerviel muss seine mehrjährige Haftstrafe antreten. Damit erleidet er zwar vor dem obersten Gericht Frankreichs eine Niederlage. Freuen kann er sich aber trotzdem.

Der französische Skandalbanker Jérôme Kerviel muss endgültig hinter Gitter. Das oberste französische Gericht wies die Revision des 37-Jährigen in entscheidenden Teilen als unbegründet zurück. Der frühere Börsenhändler der Pariser Großbank Société Générale muss sich nun darauf einstellen, bald ins Gefängnis zu gehen.

In den beiden vorangegangenen Verfahren hatten es Richter als erwiesen angesehen, dass Kerviel eigenmächtig und außerordentlich skrupellos 4,9 Milliarden Euro verzockte. Sie verurteilten ihn wegen Untreue, Dokumentenfälschung und Manipulation von Computerdaten zu drei Jahren Haft, zwei weitere wurden zur Bewährung ausgesetzt. Kerviel hatte im Jahre 2008 insgesamt 37 Tage in Untersuchungshaft verbracht.

Schadenersatz bleibt strittig

Der Ex-Banker erzielte jedoch einen Teilerfolg: Das oberste Gericht entschied, dass die Verhandlung um die Schadenersatzansprüche neu aufgerollt werden muss. Die beiden Vorinstanzen hatten verfügt, dass Kerviel der Société Générale die Schadenersatzsumme komplett ersetzten muss. Über die Höhe des Schadensersatzes muss nun in einem Revisionsverfahren neu entschieden werden.

Kerviel erreichte die Nachricht über das Urteil auf einer rund 1400 Kilometer langen Wanderung von Rom nach Paris, die er nach einem Treffen mit Papst Franziskus begonnen hatte. In einem Kommentar bei Twitter sprach er von einem "enormen Sieg" und bedankte sich bei seinen Unterstützern.

 

Kerviel hatte mit Dutzenden Milliarden Euro auf hochriskanten Märkten spekuliert und im Zuge der Finanzkrise bis Anfang 2008 riesige Summen verloren, sich dabei allerdings nie selbst bereichert. Der heute 37-Jährige argumentierte stets, seine Vorgesetzten hätten von seinen Geschäften gewusst. Er räumte zwar eine Teil-Verantwortung für den verursachten Schaden ein, sah sich aber zugleich als Opfer des auf Spekulation und Gewinnmaximierung ausgerichteten Bankensystems. "Ich habe das getan, was mir die Bank beigebracht hat, und ich habe niemanden bestohlen", sagte er vergangene Woche.

Kerviel hat eine Reihe von Klagen eingereicht, insbesondere gegen die Société Générale wegen Fälschung und Prozessbetrug. Zudem geht er vor einem Arbeitsgericht gegen die Umstände seiner Entlassung vor. Dazu ist die Anhörung am 24. März vorgesehen.

Quelle: ntv.de, jga/AFP/dpa

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