Panorama

"Das war ein Tsunami" Schlesinger: Habe Wut im RBB unterschätzt

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Patricia Schlesinger wurde am 22. August fristlos entlassen.

(Foto: imago/Christian Kielmann)

In einem Interview äußert sich die einstige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger erstmals zu den Vorwürfen, die gegen sie vorgebracht werden - und bedauert, dass sie die Wut ihrer Mitarbeiter nicht früher erkannt hat. Gleichzeitig sei sie "erschüttert" über die Wucht der Berichterstattung.

Die geschasste Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Patricia Schlesinger, hat sich im Interview mit der "Zeit" ausführlich zu den Vorwürfen der Untreue und Vorteilsnahme geäußert. Gegen die Darstellung, sie habe im Luxuswahn die Chefetage des Rundfunkhauses in Berlin renovieren lassen, wehrte sich Schlesinger entschieden. Es habe sich um "eine dringend notwendige Schadstoffsanierung" gehandelt. Die Möbel stammten von ihrer Vorgängerin. "Ich saß an ihrem Schreibtisch, vor ihren Bücherregalen."

Auch dass ihr Dienstwagen mit Massagesitzen ausgestattet war, sei laut Schlesinger nicht von ihr selbst veranlasst worden. "Ich habe den Wagen nicht selbst konfiguriert. Ich brauche keine Massagesitze, das ist für mich überflüssiger Klimbim", so die 61-Jährige. Dennoch räumte sie auch Versäumnisse ein. Die Modernisierungen im Rundfunkhaus, die sie mit der Geschäftsleitung angestoßen habe, hätten den Arbeitsalltag vieler Mitarbeitender auf den Kopf gestellt.

"Der Unmut und die Wut im Sender sind aus meiner Sicht so stark, dass ich mir vorwerfe, dass ich das nicht gesehen habe", so Schlesinger. "Das tut mir leid." Besonders getroffen habe sie jedoch, dass die Anschuldigungen aus ihrem engsten Umfeld kämen, "es schmerzt mich bis heute", sagte Schlesinger. Sie sei noch immer "erschüttert" über die Wucht der Berichterstattung, "das war wie ein Tsunami".

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Schlesinger wehrte sich gegen den Vorwurf, sie habe ihrem Ehemann einen Auftrag zu ihrem Vorteil verschafft. Sie habe nicht gegen Compliance-Regeln verstoßen, allerdings wünschte sie sich "aus heutiger Sicht, ich hätte meinen Mann gebeten, den Auftrag nicht anzunehmen", sagte sie. Bei den Anschuldigungen gegen Schlesinger geht es unter anderem um Beraterverträge für ein RBB-Bauprojekt, Bonus-Zahlungen und eine kräftige Gehaltserhöhung für Schlesinger.

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt derzeit gegen Schlesinger, den zurückgetretenen Sender-Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf sowie gegen den Ehemann Schlesingers, den Ex-"Spiegel"-Journalisten Gerhard Spörl, wegen des Verdachts der Untreue und der Vorteilsannahme. Hintergrund ist, dass Spörl Aufträge von der landeseigenen Messe Berlin bekam - Wolf war bis zu seinem Rücktritt in der RBB-Affäre dort auch in Personalunion Aufsichtsratschef gewesen.

Quelle: ntv.de, jug

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