Panorama

Kfz-Mechaniker geschlagen Ex-Rocker-Boss kommt mit Geldstrafe davon

8a6a0c569dddd9d7378c5b7fa3a37dc6.jpg

Hanebuth musste sich vor dem Amtsgericht Hannover verantworten - und erschien mit deplatzierter Maske.

(Foto: imago images/localpic)

Der frühere Hannoveraner Hells-Angels-Boss Hanebuth steht vor Gericht - ihm und seinen Kumpanen wird gemeinschaftliche Körperverletzung vorgeworfen. Doch das Opfer scheut vor einer Aussage gegen Hanebuth zurück - was zur milden Strafe beigetragen haben dürfte.

Ex-Rockerboss Frank Hanebuth und einige seiner Anhänger kommen vor dem Amtsgericht Hannover mit Geldstrafen davon - die müssen sie bezahlen, weil sie einen Kfz-Mechaniker geschlagen haben sollen. Das sei zwar eine einfache Körperverletzung, so die Vorsitzende Richterin Monika Pinski, eine gemeinschaftliche Körperverletzung sei aber nicht nachweisbar. Hanebuth wurde wegen Nötigung und Beihilfe zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Ein 46 Jahre alter Angeklagter wurde zu 90 Tagessätzen zu 60 Euro - also 5400 Euro Strafe - verurteilt. Er hatte demnach den Chef einer Autowerkstatt in Langenhagen bei Hannover geschlagen.

Die Richterin sagte den Verurteilten: "Was Sie getan haben, war nicht in Ordnung und wird geahndet, aber verhältnismäßig." Die übrigen drei Verurteilten müssen Geldstrafen von 1200 beziehungsweise 1500 Euro bezahlen. Die Anklage hatte auf gemeinschaftliche Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz gelautet. Sowohl der Staatsanwalt, der überwiegend Bewährungsstrafen gefordert hatte, als auch Hanebuths Anwalt wollen nach eigenen Angaben prüfen, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Hanebuth war nach Überzeugung des Gerichts mit weiteren Männern beteiligt, als der 40 Jahre alte Kfz-Mechaniker geschlagen wurde. Die Verurteilten gehören laut Anklage zur Rockergruppe Hells Angels. Im April 2018 waren die Männer bei dem Kfz-Mechaniker erschienen. Bei dem Vorfall solle es um Mietrückstände von 2500 Euro gegangen sein. Der 40-Jährige sprach dagegen von einem "Konflikt" um seine Ex-Partnerin. Diese sagte aus, sie und ihre 26 Jahre alte Tochter seien von dem Mann bedroht worden.

Patrone als Glücksbringer?

Das Opfer verweigerte die Aussage weitgehend. Die Polizei habe aus dem Streit "eine Affäre gemacht". Bei einer Razzia im Zusammenhang mit den Vorwürfen wurden im November 2018 verbotene Waffen, vor allem Patronen, auf dem Anwesen von Hanebuth gefunden. Laut Richterin Pinski ist das ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Bemerkung von Hanebuths Anwalt, wonach eine Patrone in einer Gürteltasche ein Glücksbringer sein könne, bezeichnete sie als "total charmant".

Auch in Spanien droht dem früheren Hannoveraner Rockerboss noch eine Strafe. Für die Hells Angels soll er Straftaten auf Mallorca begangen haben, etwa rund um den sogenannten Ballermann. Hanebuth saß bereits zwei Jahre in spanischer Untersuchungshaft und muss sich weiterhin der dortigen Justiz zur Verfügung halten. In Hannover war er bis 2012 Anführer des "Chapters" der Hells Angels. Dieses löste sich aber auf, nachdem es verboten werden sollte.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa