Panorama

Kirchenskandal in Illinois Fast 400 Geistliche des Missbrauchs bezichtigt

466dcad7bda20af4c5298b948e890843.jpg

Cindy Yesko wurde als Sechsjährige von zwei Priestern missbraucht. Auch sie sprach auf der Pressekonferenz der Anwaltskanzlei.

(Foto: dpa)

Berichte über massenhafte Missbrauchsfälle erschütterten im letzten Jahr die katholische Kirche in den USA. Die Aufarbeitung findet weitgehend abseits der Öffentlichkeit statt. Nun legt eine Anwaltskanzlei einen umfassenden Report über die mutmaßlichen Täter vor.

Im US-Bundesstaat Illinois sind fast 400 katholische Priester und Laien öffentlich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert worden. Das Anwaltsbüro Jeff Anderson & Associates, das auf Klerusmissbrauch spezialisiert ist, hat eine Liste mit 395 Namen veröffentlicht. Die Verdächtigen hätten im Erzbistum Chicago und fünf weiteren Diözesen gearbeitet oder arbeiten dort noch. "Das Datenmaterial enthüllt das erschreckende Ausmaß, in dem Priester Kinder bis zum heutigen Tag sexuell missbrauchen", heißt es in dem 182-seitigen Report.

Im vergangenen Jahr hatte ein ähnlicher Report des Generalstaatsanwaltes des Bundesstaates Pennsylvania Hunderte Geistliche und Laien als mutmaßliche Pädophile gebrandmarkt. Die meisten Vergehen lagen zu lange Zeit zurück, um sie strafrechtlich noch zu verfolgen. Der Bericht schickte jedoch neue Schockwellen durch die katholische Kirche und führte letztlich auch zum Rücktritt des Erzbischofs von Washington, Kardinal Donald Wuerl.

Im Anschluss hatten mehrere Bundesstaaten Ermittlungen aufgenommen, immer mehr Betroffene meldeten sich. Im Bundesstaat West Virginia kam es vor wenigen Tagen zu einer Anklage gegen ein komplettes Bistum und einen ehemaligen Bischof. In Illinois warf Anwalt Anderson den Kirchenbehörden vor, die Fälle zum Teil nicht öffentlich zu machen.

Die Diözesen wiesen die Vorwürfe zum Teil zurück. Die Diözese Joliet veröffentlichte ein Statement, in dem sie deutlich macht, dass alle bekanntgewordenen Fälle mit belastbaren Vorwürfen an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet werden. Ähnlich äußerte sich die Erzdiözese Chicago.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema