Panorama

Berlin ist ein Epizentrum Fast 500 Affenpocken-Fälle in Deutschland

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Bereits in 14 Bundesländern wurden Fälle von Affenpocken nachgewiesen.

(Foto: picture alliance/dpa/EUROPA PRESS)

Langsam, aber bisher kontinuierlich steigen in Deutschland die erfassten Infektionen mit dem Affenpockenvirus. Fast 500 Fälle sind bisher bekannt, vor allem die Hauptstadt Berlin ist betroffen. Bei der WHO soll noch diese Woche das Notfallkomitee tagen - wird der Ausbruch als "Notlage" deklariert?

Nach dem ersten Bekanntwerden von Infektionen mit dem Affenpockenvirus Orthopoxvirus simiae in Deutschland steigt die Zahl langsam, aber kontinuierlich an. Zuletzt meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) 469 Affenpocken-Fälle bundesweit. Bisher sind lediglich aus den beiden Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Bremen keine Fälle bekannt. Die insgesamt meisten Infektionen werden mit zuletzt 317 aus Berlin gemeldet. Von diesen werden 23 im Krankenhaus behandelt. Laut RKI erkranken die meisten Infizierten jedoch nicht schwer.

Alle Fälle stehen im Zusammenhang mit weiteren Affenpocken-Fällen, die seit Mai 2022 in verschiedenen Ländern außerhalb Afrikas registriert worden sind, teilt das RKI auf seiner Webseite mit. Das Besondere an diesen Fällen sei, dass die Betroffenen zuvor nicht, wie sonst in der Vergangenheit, in afrikanische Länder gereist waren, in denen das Virus endemisch ist. Zudem erfolgen viele Übertragungen offenbar im Rahmen von sexuellen Aktivitäten, insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern hatten.

Das RKI rechnet mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen in Deutschland. Es scheine aber weiterhin möglich, den aktuellen Ausbruch in Deutschland zu begrenzen - dafür müssten Infektionen rechtzeitig erkannt und Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt werden. Die Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein. Die Situation werde aber weiter sehr genau beobachtet und die Einschätzung dem aktuellen Kenntnisstand angepasst.

Wird WHO eine "Notlage" erklären?

Wegen der zunehmenden Verbreitung der Affenpocken will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch diese Woche die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands prüfen. Für den 23. Juni ist eine Dringlichkeitssitzung des Notfallkomitees zu diesem Thema einberufen worden. Die unabhängigen Affenpocken-Experten könnten der WHO empfehlen, den Ausbruch als "Notlage von internationaler Tragweite" (PHEIC - public health emergency of international concern) zu deklarieren. Das hat keine unmittelbaren Konsequenzen, soll aber Regierungen wachrütteln, dass sie in ihren eigenen Ländern Vorkehrungen treffen - das können mehr Aufklärung, mehr Ressourcen zur Überwachung oder andere Maßnahmen sein.

"Der Affenpocken-Ausbruch ist ungewöhnlich und beunruhigend", hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vergangene Woche betont. Laut dem Mediziner-Netzwerk Global Health sind weltweit bereits mehr als 2600 Fälle bestätigt worden, die meisten davon mit 575 in Großbritannien. In Europa verzeichnen zudem Spanien, Portugal und Frankreich dreistellige Fallzahlen. Aber auch in den USA und Kanada sind bereits jeweils mehr als 100 Infektionen bekannt geworden.

Quelle: ntv.de, kst

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