Panorama

Ankunft auf Madeira Fliegende Intensivstation holt Verletzte ab

Ein "MedEvac"-Airbus der Luftwaffe startet am frühen Morgen von Köln-Wahn Richtung Madeira. Er wird dort die Verletzten des Busunglücks vom Mittwoch aufnehmen und zurück nach Deutschland fliegen.

Die Aktion zur Rückholung der deutschen Verletzten des Busunglücks auf Madeira ist angelaufen. Ein "MedEvac"-Airbus der Luftwaffe landete auf dem Flughafen Funchal. Am Morgen hatte die Bundeswehr mitgeteilt, der Airbus A310 der Flugbereitschaft sei um 6.00 Uhr in der AirMedEvac-Konfiguration von Köln-Wahn abgehoben. In dieser Version ist die Maschine ausgerüstet für den Transport von Verletzten. Die ersten Krankenwagen seien bereits am Morgen vom Krankenhaus zum Flughafen gefahren, berichtete die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa.

Der Airbus A310 MedEvac ist die fliegende Intensivstation der Bundeswehr. Die Luftwaffe bezeichnet die Maschine als "wichtiges Glied in der Rettungskette zur medizinischen Evakuierung schwer und schwerst verletzter Personen über große Distanzen". An Bord sind bis zu sechs Plätze für intensivmedizinische Behandlung. Zudem gibt es 38 weitere Liegeplätze, wobei für 16 Patienten eine verstärkte medizinische Überwachung mit Monitoren möglich ist. Damit können bis zu 44 Patienten liegend transportiert werden. Auf Madeira wurden am Freitag noch 16 Verletzte im Krankenhaus behandelt, darunter 14 Deutsche.

Trauer hinter verschlossenen Türen

Überlebende und ihre Angehörigen nahmen am Karfreitag in Funchal an einem Gedenkgottesdienst teil. Zu der Trauerfeier hatte die Pfarrerin der Deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf der Atlantikinsel, Ilse Everlien Berardo, in der Kirche Igreja Presbiteriana eingeladen. Einige der Gäste hätten deutliche Verletzungen am Körper und im Gesicht gehabt, berichtete die Zeitung "Correio da Manhã" am frühen Abend. Die 45-minütige Veranstaltung, an der auch Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa teilnahm, fand hinter verschlossenen Türen statt. "Portugal trauert, Deutschland trauert, und die Solidarität kommt aus dem Herzen beider Nationen, und nicht nur dieser beiden Nationen", sagte Berardo vor Beginn der Trauerfeier. "Wir sind dankbar für alle tröstlichen Worte."

Unterdessen schlossen die Rechtsmediziner auf Madeira die Autopsien der 29 Todesopfer ab. Im Laufe des Tages würden aus Deutschland aber noch Akten mit Fingerabdrücken und zahnärztlichen Daten erwartet, die die endgültige Identifizierung der Toten ermöglichen sollen, hieß es. Wann Einzelheiten zu den Opfern und ihren Herkunftsorten bekanntgegeben werden sollen, wurde bisher nicht bekanntgegeben.

Unglücksursache bleibt unklar

Am Mittwoch war auf Madeira ein Reisebus von der Straße abgekommen und hatte sich überschlagen. Der Fahrer hatte in einer engen Kurve die Kontrolle über den mit mehr als 50 Passagieren besetzten Bus verloren, der daraufhin eine Böschung hinabstürzte und in ein Haus krachte. 29 Menschen starben, viele wurden verletzt.

Die genaue Unglücksursache ist bislang ungeklärt. Der portugiesische Fernsehsender TV RTP berichtete am Freitag, möglicherweise habe das Gaspedal blockiert und der Fahrer habe versucht, den immer schneller werdenden Bus zum Halten zu bringen, indem er gegen eine Mauer fuhr. Ein deutscher Überlebender des Unglücks hatte zuvor Bremsversagen vermutet.

Quelle: ntv.de, sba/AFP