Panorama

"Das Boot schwimmt" Frachter im Suezkanal ist teilweise frei

Aufatmen für den Welthandel: Nach tagelanger Blockade des Suezkanals in Ägypten kann die "Ever Given" doch noch bewegt werden. Die wichtige Schiffsroute könnte somit bald wieder passierbar sein.

Das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff "Ever Given" ist nach einer tagelangen Blockade teilweise freigelegt worden. Das 400 Meter lange Schiff sei am frühen Morgen um 4.30 Uhr (Ortszeit) "in schwimmenden Zustand" gebracht worden und werde gesichert, teilte der Dienstleister Inchcape Shipping mit. Der Kanaldienstanbieter Leth Agencies erklärte dagegen, das Schiff sei nur teils freigelegt worden und der Bug liege noch auf Grund. Die Aussichten auf eine vollständige Freilegung seien "vielversprechend", schrieb Leth Agencies. Die Kanalbehörde teilte mit, die "Ever Given" sei zu 80 Prozent bewegt worden. Das Heck befinde sich nun etwa 100 Meter vom Ufer entfernt.

Bei der nächsten Flut am Montagmittag solle das Schiff komplett in Fahrtrichtung gebracht werden. Wann die "Ever Given" ihre Fahrt in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Rotterdam im Kanal fortsetzen kann, ist noch unklar. Laut Kanalbehörde hatten zehn Schlepper aus vier Richtungen seit dem Morgengrauen versucht, das gewaltige Schiff zu bewegen.

Nach der Erfolgsmeldung vom Montagmorgen kursierten im Internet Videos von erleichterten Crewmitgliedern der anderen Schiffe im Kanal. "Das Boot schwimmt", sagt ein Mann an Bord eines Schiffs und streckt seinen Daumen nach oben. Auf einem der Videos ist immer wieder der Ausspruch "Alhamdulillah" (Gott sei Dank) zu hören.

Zeitpunkt der Weiterfahrt unklar

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte bereits angeordnet, die teilweise Entladung von Containern vorzubereiten, falls die Versuche zur Freilegung weiterhin erfolglos bleiben sollten. Das 400 Meter lange Containerschiff war vergangene Woche im Suezkanal auf Grund gelaufen und hatte die wichtige Route in beide Richtungen blockiert. Ursache der Havarie war ersten Ermittlungen zufolge "starker Wind" gewesen, hieß es.

Laut Kanalbehörde warteten zuletzt rund 370 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals auf Durchfahrt, darunter 25 Öltanker. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete gar von 450 wartenden Schiffen. Der 193 Kilometer lange Kanal ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien und der entscheidende Korridor für Rohöl und Importwaren nach Europa. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge fahren 98 Prozent der Containerschiffe durch den Suezkanal, wenn sie zwischen Deutschland und China unterwegs sind. Etwa acht bis neun Prozent der gesamten deutschen Warenimporte und -exporte gehen durch den Suezkanal.

Erleichterung bei Hapag Lloyd

Die "Ever Given" kann bis zu 18.000 Container transportieren. Durch die tagelange Blockade gingen dem Kanal täglich Einnahmen von rund 13 bis 14 Millionen Dollar verloren. Die Kanalbehörde nahm 2020 bei Durchfahrten von 18.800 Schiffen rund 5,6 Milliarden Dollar ein.

Der Sprecher der Hamburger Container-Reederei Hapag Lloyd, Nils Haupt, zeigte sich "enorm erleichtert" über die Bergung der "Ever Given". "Denn, noch einige Tage länger und es wären noch viel stärkere Schäden entstanden", sagte er im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Hapag Lloyd gehe davon aus, dass "in den nächsten 24 Stunden die ersten Schiffe" durch den Suezkanal fahren könnten. "Und dann hoffen wir, dass sich in den nächsten sechs bis acht Tagen alle Schiffe bewegen werden." Von der Hamburger Reederei liegen derzeit acht Schiffe im Suezkanal.

Quelle: ntv.de, shu/dpa/rts/AFP

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