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Diagnostik oder Auslese? Fragen und Antworten zum Praena-Test

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Der medizinische Fortschritt in der vorgeburtlichen Diagnostik führt zu ethischen Fragen.

(Foto: imago/PhotoAlto)

In einer "Orientierungsdebatte" diskutieren die Bundestagsabgeordneten über vorgeburtliche Gentests. Doch worum geht es dabei? Und was kann der sogenannte Praena-Test? 

Worum geht es in der aktuellen Debatte?

Es geht um die Frage, ob der Praena-Test in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden soll. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, das höchste Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, hat dazu ein offizielles Verfahren eingeleitet. Der Test ist in Deutschland bereits seit 2012 zugelassen. Bisher zahlen Frauen ihn aber selbst.

Was wird getestet?

Der Praena-Test ist eine vorgeburtliche Untersuchung bei Schwangeren. Dabei wird das Erbgut des Fötus anhand von Zellen analysiert, die im Blut der Mutter zirkulieren. Es handelt sich um einen "nicht-invasiven-molekulargenetischen Test", der lediglich mit einer Blutabnahme einhergeht. Damit lässt sich mit hoher Sicherheit bestimmen, ob das Ungeborene Trisomie 21, 18 oder 13 hat, außerdem kann auf weitere Gen-Besonderheiten Turner-, Triple X-, Klinefelter-, XYY-Syndrom und DiGeorge-Syndrom getestet werden.

Welche Behinderungen sind mit diesen Chromosomenstörungen verbunden?

Die Bandbreite ist sehr groß. Trisomie 21 ist vielen auch als Down-Syndrom bekannt. Dabei ist die Schwere der Behinderung sehr unterschiedlich, meist gibt es kognitive Beeinträchtigungen, häufig sind zudem Herzfehler und Darmerkrankungen. Kinder mit Trisomie 18 oder 13 haben schwere Fehlbildungen lebenswichtiger Organe wie Herz, Nieren und Gehirn. Die meisten Kinder sterben, bevor sie geboren werden. Die, die lebend auf die Welt kommen, überleben meistens nicht das erste Lebensjahr. Die anderen Chromosomenstörungen gehen zum Teil mit Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit oder mit insgesamt geringeren Beeinträchtigungen einher.

Was kostet der Test?

In der einfachsten Version, in der lediglich auf Trisomie 21 getestet wird, kostet er beim Anbieter Lifecodexx 129 Euro. Wenn wie im Antrag des Bundesausschusses auch auf die Trisomien 13 und 18 untersucht wird, kostet das mindestens 269 Euro. Wird auf alle genannten genetischen Besonderheiten getestet, bietet das Unternehmen den Test für 299 Euro an. 

Was spricht aus Sicht der Befürworter für den Test?

Anders als die bisherigen Diagnosemethoden wie die Fruchtwasseruntersuchung ist der Praena-Test nicht invasiv. Dadurch fällt das Risiko einer durch die Untersuchung ausgelösten Fehlgeburt, wie beispielsweise bei einer Fruchtwasseruntersuchung weg. Die Befürworter argumentieren zudem, dass es den Test ja sowieso schon gibt, ihn sich aber nicht alle leisten können. Mit dem Testergebnis sollen sich Frauen besser informiert entscheiden können.

Wie argumentieren die Gegner?

Kritiker fürchten, dass durch die einfache Verwendung des Tests, die Geburt von behinderten Kindern immer mehr als vermeidbar dargestellt und wahrgenommen wird. Das könnte sich auf die Akzeptanz von Behinderten in der Gesellschaft auswirken. Außerdem entscheidet sich die Mehrheit der Mütter, bei deren ungeborenen Kindern das Down-Syndrom festgestellt wird, für eine Abtreibung. Das zeigen Zahlen aus Dänemark, wo sich nach der Einführung der Trisomie-Tests als Regelleistung die Zahl der so geborenen Kinder halbierte. Befürchtet wird eine Auslese, weil das Leben Behinderter als weniger lebenswert eingestuft wird.

Welche Rolle kommt dabei dem Bundestag zu?

Die Abgeordneten entscheiden nicht darüber, ob der Praena-Test Kassenleistung werden soll. Das tut am Ende der Bundesausschuss, der dazu unter anderem bei wissenschaftlichen Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und dem Deutschen Ethikrat Stellungnahmen erbeten hat. Es geht mehr darum, die in der Gesellschaft geführte Debatte, die über alle Partei- und Fraktionsgrenzen geführt wird, auch im Parlament abzubilden.

Wie könnte die Entscheidung ausfallen?

Der Bundesausschuss entscheidet am Ende nach "Nutzen, medizinischer Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit". Die Kassenzulassung wird für Risikoschwangere angestrebt, dabei soll ein höheres Alter der Mutter als Risikofaktor nicht ausreichen, sondern im Einzelfall medizinisch begründet werden. Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken betonte ausdrücklich, es gehe nicht um eine "Reihenuntersuchung aller Schwangeren". Im August soll entschieden werden, ab Herbst 2020 könnte der Test dann Kassenleistung sein.  

Quelle: n-tv.de

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