Panorama

Erfassung bald bei voller Fahrt Frankreich baut erste Mautstationen ab

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Die Modernisierung des Mautsystems ist vorerst nur ein Modellversuch.

(Foto: picture alliance / Norbert Schmidt)

Zwischen Paris und Caen müssen sich Autofahrer künftig nicht mehr durch das Nadelöhr quetschen, das die Mautstellen auf Frankreichs Autobahnen derzeit noch darstellen. Eine Erfassung der Fahrzeuge mit moderner Technik soll auf der Strecke jährlich Millionen Stunden an Wartezeit einsparen.

Auf der Autofahrt in den Frankreich-Urlaub gehören lästige Stopps an den Mautstellen bisher noch dazu - zwischen Paris und der Normandie-Küste sollen diese bald aber elektronischer Technik weichen. Statt der bislang sechs Mautstationen, an denen aller Verkehr auf der viel befahrenen Küstenautobahn A13 bislang zum Stillstand kommt, soll bis 2024 eine automatische Erfassung der Fahrzeuge installiert werden, kündigte der Autobahnbetreiber Sanef an.

In den USA, Norwegen oder Portugal wird eine solche Technik bereits verwendet, in Frankreich gibt es einen ersten Test auf einem Abschnitt der A4 zwischen Saarbrücken und Metz. Die künftige Technik basiert auf der schon jetzt von regelmäßigen Nutzern französischer Autobahnen verwendeten sogenannten Télépéage, der Abbuchung der Mautgebühren über eine elektronische Erfassung des Wagens.

Das Lesegerät hinter der Windschutzscheibe wird bislang noch bei der Durchfahrt an der Mautstation erfasst. Künftig soll dies bei voller Fahrt möglich sein über Lesegeräte, die an einer Art Schilderbrücke montiert werden. Gelegentliche Nutzer können sich mit ihrem Kennzeichen auch im Internet registrieren und ein automatisches Abbuchen erlauben. Außerdem soll das Bezahlen im Nachhinein über die Webseite des Autobahnbetreibers oder in Tabakläden möglich sein.

Mit der Abschaffung der antiquierten Mautstellen erspare man den Nutzern der über 200 Kilometer langen Autobahn zwischen Paris und Caen jährlich 1,8 Millionen Stunden Wartezeit, sagte Sanef-Direktor Arnaud Quemard der Zeitung "Le Parisien". Zudem würden 9,5 Millionen Liter Kraftstoff weniger verbraucht, da die Autoschlangen sich nicht mehr vor den Mautstellen stauten und dann wieder anfahren müssten. Das entspreche dem Jahresverbrauch von 11.000 Autos. Die Modernisierung kostet 120 Millionen Euro, die sich die Autobahngesellschaft über eine Mauterhöhung von ihren Kunden bezahlen lässt.

Mit einem schnellen Abschied von allen Mautstationen, insbesondere auf den von Urlaubern stark frequentierten Autobahnen Richtung Süden, ist aber nicht so bald zu rechnen. Die A13 sei gezielt ausgewählt worden, weil dort nicht so viele Ausländer unterwegs seien, sagte der Sanef-Chef. Das erleichtere die Nachforschungen, wenn Menschen ihre Fahrt nicht bezahlten. Bei französischen Fahrzeugen nämlich hätten die Autobahnbetreiber bereits Zugriff auf die Zulassungsdaten.

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 28. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, lwe/dpa

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