Ratgeber

Nachlass an der Zapfsäule? Das muss man zum Tankrabatt wissen

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Zu knapp sollte zum 1. Juni nicht kalkuliert werden ...

(Foto: imago/Westend61)

Ab dem 1. Juni ist Happy-Hour an der Tankstelle. Okay, nicht ganz. Aber immerhin sorgt eine Steuerentlastung dafür, dass Benzin und Diesel günstiger werden dürften. Ob dann mit Engpässen und Mitnahmeeffekten zu rechnen oder Bunkern eine Option ist, und was es sonst noch zu wissen gibt, lesen Sie hier.

Vom 1. Juni an bis 31. August wird das Tanken billiger. Möglich wird dies durch die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe auf das in der EU erlaubte Mindestmaß. Der Steuersatz für Benzin wird um fast 30 Cent sinken, für Diesel um gut 14 Cent. Zudem wird auf den entfallenen Teil der Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer mehr fällig. Derart liegt die steuerliche Entlastung insgesamt bei 35,2 Cent pro Liter Benzin und 16,7 Cent pro Liter Diesel. Immerhin. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Spritpreise bereits vor dem Ukraine-Krieg auf Rekordniveau lagen.

Fragen und Antworten zum Thema:

Lohnt es, gleich am Mittwoch, 1. Juni um 00:01 Uhr auf die Tankstelle zu brausen?

Vermutlich nicht. Beispielsweise rechnet der ADAC damit, dass Tankstellen in den ersten Junitagen Kraftstoff, den sie im Mai gekauft haben, noch zum alten Preis weitergeben werden. Hintergrund ist der, dass die Energiesteuer nicht erst an der Zapfsäule, sondern bereits an Raffinerien und Tanklagern erhoben wird. Treibstoff, der vor dem 1. Juni geliefert wird, enthält daher noch einen höheren Steueranteil. Ähnlich sieht das der Auto Club Europa, der befürchtet, dass der Rabatt nicht gleichzeitig an allen Tankstellen umgesetzt wird. Demnach könnten einige Tage vergehen, bis der Preis spürbar sinkt.

Ungeachtet dessen, ist mit Engpässen bei Benzin und Diesel zu rechnen?

Vorübergehend kann dies laut Branchen-Einschätzungen nicht ausgeschlossen werden. So warnte bereits der Vorsitzende des Bundesverbandes Freier Tankstellen, Duraid El Obeid, in der "Rheinischen Post": "Eine hohe Nachfrage der Autofahrer wird auf ein niedriges Angebot stoßen." Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Fuels und Energie, Christian Küchen, erklärte der Zeitung: Einerseits würden diese versuchen, ihre Bestände bis zum 1. Juni stark herunterzufahren, um so wenig wie möglich hoch versteuerten Sprit ab Juni billiger weiterverkaufen zu müssen.

Andererseits sei damit zu rechnen, dass die Autofahrer ausgerechnet ab 1. Juni massenhaft an die Zapfsäulen fahren, um leere Tanks aufzufüllen. Daher sind vorübergehende Engpässe an den Stationen nicht komplett auszuschließen. Zudem sollten in den ersten Tagen Warteschlangen und ungewohnte Wartezeiten, zumindest zu Stoßzeiten einkalkuliert werden.

Wird der Rabatt vollständig beim Bürger ankommen?

Der Verdacht, dass die Ölkonzerne die Steuersenkungen und die entstehenden Spielräume zu ihren Gunsten zu nutzen, steht zumindest im Raum. Denn bereits seit Tagen steigen die Kraftstoffpreise auffällig stark an und könnten dies auch noch weiterhin tun. Gegenüber der "Bild"-Zeitung äußerte sich Peter Hengstermann, Chef des Tankstellenverbands TIV, wie folgt: "Wir erwarten, dass die Mineralölkonzerne die Preise künstlich nach oben treiben, um den Tank-Rabatt wegzuschlucken, damit trotz Rabatt weiter Kasse gemacht werden kann". Auch der ADAC sieht schon jetzt das aktuelle Niveau der Kraftstoffpreise im Vergleich zum Rohölpreis als deutlich zu hoch an.

Sollte der Tank vor dem 1. Juni komplett leer gefahren werden?

Davon rät die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf mögliche Engpässe, etwaige Wartezeiten und möglicherweise nicht unmittelbar günstige Preise ab. Besser also, noch etwas Reserve im Tank belassen. Der ACE rät allen, die auf ihr Fahrzeug angewiesen sind und nicht auf das Fahrrad oder den ÖPNV zurückgreifen können, den Tank vor dem Stichtag derart zu füllen , dass sie auch drei bis vier Tage ohne Zapfsäule gut überstehen.

Apropos, sollte der Tank-Rabatt tatsächlich spürbar Erleichterung für Verbraucher bringen, kann Benzin und Diesel dann auch auf Vorrat gebunkert werden?

Die kurze Antwort: In Maßen, ja. Privatpersonen dürfen für den persönlichen oder häuslichen Gebrauch oder für Freizeit und Sport maximal 240 Liter im Wagen transportieren. Zu Hause oder in der Garage darf maximal 20 Liter Benzin oder 200 Liter Diesel gehortet werden. Die ausführliche Antwort - mit allen Einschränkungen, gibt es hier.

Wie lässt sich sonst noch sparen?

Zum Beispiel, indem man das Auto das eine oder andere Mal stehen lässt. Wem das nicht möglich ist oder wer darauf keine Lust hat, zahlt entweder mehr oder aber der Fahrer ändert sein Tankverhalten. Denn auch wenn es für den Spritkunden kaum zu erkennen ist, herrscht durchaus Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreibern. Indem die jeweils günstigste Zapfsäule angesteuert wird, lässt sich tatsächlich Geld sparen. Die günstigsten Preise lassen sich über Portale und Apps finden. Das Bundeskartellamt hat online mehr als 30 Apps aufgelistet, die alle auf die Echtzeitdaten von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zugreifen.

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Außerdem sollte auch der Preisunterschied im Tagesverlauf beachtet werden. Laut einer ADAC-Untersuchung ist Kraftstoff in der Regel zwischen 18 und 19 sowie zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten. Denn auch an ein und derselben Tankstelle können die Preise täglich um bis zu zehn Cent variieren. Und wer an einer der Autobahn-Tankstellen sein Gefährt befüllt, zahlt meist sogar über 20 Cent je Liter mehr als an anderen Tankstationen. Zum Ferienstart wird auch gerne noch mehr draufgeschlagen.

Abgesehen davon hat der ADAC nachfolgende Tipps für Autofahrer auf Lager:

  • Fahrweise optimieren: Heißt: flott beschleunigen, rechtzeitig hochschalten (bei einer Drehzahl von circa 2000 U/min) und mit niedrigen Drehzahlen die gewählte Geschwindigkeit beibehalten. Erst dann zurückschalten, wenn der Motor ruckelt oder zu Brummen beginnt.
  • Vorausschauend fahren: Da Bremsen Energie vergeudet, solange wie möglich die Motorbremswirkung nutzen. Beim Heranrollen an eine rote Ampel also nicht den Gang herausnehmen. Die meisten Autos sind mit einer Schubabschaltung ausgerüstet, die die Kraftstoffzufuhr im Schubbetrieb komplett absperrt. Also, frühzeitig vom Gas gehen und den Wagen die letzten paar hundert Meter bei eingelegtem Gang auf eine Ortschaft zurollen lassen, statt unmittelbar davor abrupt abzubremsen.
  • Kurze Strecken vermeiden: Auch wenn es wehtut, es lohnt, das Auto auch mal stehenzulassen. Besonders, wenn man es nicht weit hat. Denn bei kaltem Motor verbraucht der Wagen am meisten Kraftstoff. Um gleichmäßig zu laufen, benötigt zumindest der Ottomotor in der Warmlaufphase ein fetteres Gemisch (mit höherem Kraftstoffanteil) als bei optimaler Betriebstemperatur.
  • Motor im Leerlauf ausschalten: Sobald der Motor läuft, verbraucht er Kraftstoff. Auch wenn das Auto nicht fährt - etwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde. Daher: Motor aus, wenn die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert.
  • Unnötige elektrische Verbraucher ausschalten: Elektrische Geräte im Auto wie etwa Steuergeräte, Beleuchtung, Lüfter, Klimaanlage, Sicherheits- und Komforteinrichtungen beziehen ihre Energie aus dem Bordnetz. Die elektrische Energie wird vom Generator bereitgestellt, der vom Verbrennungsmotor angetrieben wird. Folglich kosten eingeschaltete elektrische Geräte und andere Verbraucher Kraftstoff. Beispielsweise führt eine Klimaanlage je nach Fahrzeugmodell, Technik und Einsatzbedingungen zu einem Mehrverbrauch von etwa 0,3 bis 1,5 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer. Eine Standheizung kostet etwa einen Mehrverbrauch von 0,2 bis 0,5 Liter pro Stunde.
  • Das Gesamtgewicht reduzieren: Jedes Stück mehr im Auto bedeutet mehr Gewicht und kostet Kraftstoff. Egal, ob Straßenatlas, Getränkekisten oder Kleinkram. Die Ursache für diesen Effekt ist die sogenannte Massenträgheit, also der Energieeinsatz, der erforderlich ist, um eine Masse auf eine höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen. 100 Kilo Zusatzlast ergeben bis zu 0,3 Liter Mehrverbrauch. Besonders im Stadtverkehr wirkt sich das Gewicht einer Zuladung negativ auf den Spritverbrauch aus. Jedes Anfahren, jede Beschleunigung kostet also extra Sprit. Insbesondere Dachträger, Dachboxen und Fahrradträger erhöhen den Verbrauch des Fahrzeugs signifikant. Grundsätzlich bietet der Transport von Gegenständen wie zum Beispiel Fahrrädern über Heckträger auf einer Anhängerkupplung Verbrauchsvorteile gegenüber dem Transport auf dem Fahrzeugdach. Nach dem Gebrauch sollten aber Dach- und Heckträger ungeachtet dessen wieder abmontiert werden.
  • Energiesparreifen nutzen: Der Einfluss der Bereifung auf den Fahrwiderstand ist erheblich. Mit optimierten Reifen können Sie bis zu 0,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer sparen. Somit kann sich ein auf den ersten Blick teurer Reifen mit sehr geringem Rollwiderstand über die Nutzungsdauer mehr als amortisieren.
  • Auf den richtigen Luftdruck achten: Wenn zu wenig Luft in den Reifen ist, erhöht dies ebenfalls den Verbrauch. Schon ein um 0,3 bar verminderter Luftdruck steigert den Rollwiderstand und sorgt somit für unnötigen Mehrverbrauch. Deshalb gilt es, regelmäßig den Reifendruck zu kontrollieren.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 25. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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