Panorama

Besuch in Neapel Franziskus nimmt die Mafia ins Gebet

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In Scampia forderte der Papst Mafia-Angehörige auf, ein anständiges Leben zu führen.

(Foto: AP)

In der süditalienischen Metropole Neapel verurteilt Papst Franziskus erneut die organisierte Kriminalität. Er wendet sich gegen den Drogenhandel, aber auch gegen die Unmenschlichkeit gegenüber Flüchtlingen. Dann geht er ins Gefängnis.

Bei einem von Hunderttausenden Menschen umjubelten Besuch in Neapel hat Papst Franziskus die italienische Mafia zur Umkehr aufgerufen. Ohne die in der südlichen Küstenstadt beheimatete Camorra direkt zu nennen, forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche, die Mafiosi sollten "sich zur Liebe und zur Gerechtigkeit bekehren". Der Besuch des 78-jährigen Argentiniers stand unter immensen Sicherheitsvorkehrungen.

Franziskus besuchte in Neapel zunächst das als Hochburg der Mafia bekannte Viertel Scampia, wo er von einer riesigen Menschenmenge begeistert empfangen wurde. Nach einer Fahrt im sogenannten Papamobil mischte sich der Papst unter eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die Fotos mit ihm machten.

"Korruption stinkt"

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Hunderttausende Menschen wollten den Papst in Neapel sehen.

(Foto: REUTERS)

"So wie ein totes Tier stinkt, so stinkt die Korruption, so stinkt eine korrupte Gesellschaft", sagte Franziskus den Einwohnern Scampias. "Ein Christ, der die Korruption in sich eindringen lässt, stinkt ebenfalls", fügte er hinzu und warnte: "Wir alle können bestechlich werden und in die Kriminalität abgleiten."

Bei einem Großgottesdienst mit hunderttausenden Gläubigen unter freiem Himmel auf der Piazza del Plebiscito im Stadtzentrum appellierte der Papst dann indirekt an die Mafia. "Es ist jederzeit möglich, zu einem anständigen Leben zurückzukehren", sagte er. Dies sei es, was "Mütter unter Tränen in den Kirchen von Neapel" sich wünschten.

Besuch im Gefängnis

In der Messe verurteilte Franziskus auch den Drogenhandel, Schwarz- und Zwangsarbeit sowie Unmenschlichkeit gegenüber Flüchtlingen. Später besuchte der Papst für rund eineinhalb Stunden das drastisch überbelegte Gefängnis Poggioreale.

Die Sicherheitsmaßnahmen für den Besuch waren enorm, nicht zuletzt wegen jüngster Drohungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat gegen den Papst. Örtlichen Medienberichten zufolge waren etwa 3000 Polizisten und Scharfschützen im Einsatz.

Seit seinem Amtsantritt vor rund zwei Jahren wandte sich der Papst immer wieder mit klaren Worten gegen die Mafia. Im Juni erklärte er ihre Mitglieder für exkommuniziert. Die Kirche und die Gläubigen forderte Franziskus auf, jede Nähe zu den Kriminellen zu vermeiden.

Quelle: ntv.de, mli/AFP