Neffe zeigte ihn anFranzose soll als Jugendbetreuer 89 Jungen missbraucht haben

Ein Franzose ist über Jahrzehnte als Jugendbetreuer im In- und Ausland aktiv. Dabei soll er knapp 90 Jungen missbraucht haben. Gefasst wird er am Ende nur, weil sein Neffe einen USB-Stick findet und ihn anzeigt.
Frankreichs Justiz ermittelt gegen einen 79 Jahre alten Mann, der in einem Zeitraum von fast 60 Jahren 89 Minderjährige sexuell missbraucht haben soll. Als Jugendbetreuer soll der Mann während Einsätzen in zahlreichen Ländern, darunter auch in Deutschland und der Schweiz, Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren missbraucht haben, wie die Staatsanwaltschaft in der südostfranzösischen Großstadt Grenoble mitteilte.
Bei dem 79-Jährigen handelt es sich um Jacques Leveugle. Die Staatsanwaltschaft habe entschieden, den Namen des Beschuldigten zu veröffentlichen. "Es geht darum, dass mögliche weitere Opfer sich melden können", sagte der Staatsanwalt. Er rief Betroffene auf, das so schnell wie möglich zu tun. Leveugle hielt sich laut einem Zeugenaufruf der Gendarmerie zwischen 1965 und 1969 sowie zwischen 1985 und 1996 zeitweise in Deutschland auf.
Der zuletzt in Marokko wohnende Mann sei bereits im Februar 2024 während eines Familienbesuchs in Frankreich festgenommen worden, nachdem ein Neffe im Oktober 2023 bei ihm auf einen USB-Stick mit Aufzeichnungen und Fotos zu den missbrauchten Jugendlichen gestoßen sei. Es handele sich um eine umfangreiche Sammlung von "15 Bänden", erklärte er laut Ouest France.
In diesem digitalen Tagebuch soll er geschrieben haben, er sei sich schon lange einer "besonderen Veranlagung" bewusst gewesen, die ihn dazu veranlasste, sich an Jungen in der Pubertät zu binden und sich dann wieder von ihnen zu lösen. Er soll sich selbst als "Päderast" bezeichnet haben, berichtet BFMTV. Da die Fahnder nicht alle dort aufgeführten Opfer identifizieren konnten, wurden Betroffene aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden. Laut BFMTV sind etwa 40 Opfer bisher bekannt. Zu den Taten soll es zwischen 1967 und 2022 gekommen sein. Laut Staatsanwaltschaft könnten jedoch nur Taten seit 1993 verfolgt werden, da alle früheren Übergriffe juristisch verjährt sind.
Jugendbetreuer ohne Qualifikation
Laut BFMTV studierte der Verdächtige einst und wollte Lehrer oder Krankenpfleger werden, konnte allerdings das Studium nie abschließen. Er soll sich dann mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen haben. Dazu gehörte auch die Arbeit in Jugendcamps, besonders im Ausland. Das Ganze jedoch ohne jegliche Qualifikation. Neben Deutschland und der Schweiz war er demnach auch in Algerien, Niger, Indien, Kolumbien, Neukaledonien und auf den Philippinen tätig.
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, wird außerdem wegen Mordverdachts gegen den Mann ermittelt. Er habe eingeräumt, seine Mutter 1974 im Endstadium einer Krebserkrankung mit einem Kissen erstickt zu haben. 1992 soll er auf die gleiche Weise seine als 92-jährige Tante getötet haben.