Panorama

Fast 1000 Männer nehmen teil Führt Massen-Gentest zu Claudias Mörder?

Vor 23 Jahren wurde die elfjährige Claudia Ruf vergewaltigt und ermordet. Neue Erkenntnisse lassen vermuten, dass der Täter unerkannt in der Nähe wohnt. Ein DNA-Massentest ist in vollem Gange und soll den Kindermörder enttarnen. Denn auch Männer, die nicht mitmachen, bekommen Besuch von der Polizei.

In der ersten Phase des Massen-Gentests im Mordfall Claudia Ruf haben rund 95 Prozent der angeschriebenen Männer eine Speichelprobe abgegeben. 945 Männer waren bis zum Abend freiwillig zum Test erschienen. Die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa sprach in Grevenbroich von einem überwältigenden Ergebnis.

Zunächst hatte die Mordkommission 800 Männer zur Abgabe einer Speichelprobe vor Ort in Grevenbroich-Hemmerden gebeten, den Kreis dann aber kurzfristig auf rund 1000 Männer ausgeweitet. Die damals elfjährige Claudia Ruf war 1996 in ihrem Heimatort Hemmerden entführt und sexuell missbraucht worden. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt auf einem Feldweg in Euskirchen bei Bonn gefunden. Die Suche nach dem Mörder war kürzlich wieder aufgerollt worden, weil Profiler neue Ansätze bei dem Fall entdeckt hatten.

Man wisse jetzt, warum die Leiche des Kindes 70 Kilometer entfernt bei Euskirchen auf einem Feldweg abgelegt wurde, teilten die Ermittler Mitte November mit - könne dies aber aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht verraten. Nach einer neuen Bewertung gehen Profiler des Landeskriminalamts nun zudem von einem Täter aus, der vermutlich im Grevenbroicher Stadtteil Hemmerden wohnte oder dorthin einen starken Bezug hatte. Außerdem gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Täter-DNA.

5000 Euro Belohnung und über 100 Hinweise

In einer zweiten Phase sollen weitere rund 900 Männer angeschrieben werden, die seit dem Mord vor 23 Jahren von dort weggezogen sind. Mit Ergebnissen sei in zwei bis drei Monaten zu rechnen. Polizei und Staatsanwaltschaft haben 5000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt. Über 100 Hinweise aus der Bevölkerung waren in den vergangenen zwei Wochen eingegangen. "Ein heißer Tipp war bislang nicht dabei", sagte ein Polizeisprecher.

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Claudia war elf, als sie verschwand.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am vergangenen Wochenende waren bereits 675 Männer dem Aufruf gefolgt. Insgesamt sollen inzwischen 1900 statt wie zunächst geplant 1600 Männer eine Speichelprobe abgeben. Parallel zu den Tests vor Ort hat die Polizei damit begonnen, Polizeidienststellen bundesweit anzuschreiben und um Proben der Männer zu bitten, die nicht mehr in Grevenbroich wohnen. Es ist bereits der dritte und bislang größte DNA-Massentest in dem Mordfall. Die Ermittler setzen auch darauf, dass die DNA-Labore seit 2017 auch bei sogenannten Beinahe-Treffern Alarm schlagen dürfen, wenn also ein naher Verwandter des Täters eine Probe abgegeben hat.

Die Männer, die trotz Einladung nicht zu den Terminen in der Grundschule erschienen sind, werden nun gezielt aufgesucht. Einige Männer, die in das Raster passen, seien bereits gestorben, sagte Mordkommissionsleiter Reinhold Jordan. In diesen Fällen würden nun deren Verwandte aufgesucht.

Quelle: ntv.de, mau/dpa