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Heimtückisch, gefährlich, k.o. GBL - dieser Stoff dürfte nicht legal sein

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K.o.-Tropfen gewinnen in der Party-Szene an Bedeutung. Doch von der euphorisierenden Wirkung bis zum Koma sind es nur ein paar Tropfen. Dennoch ist die Droge legal. Warum?

Wer von K.o.-Tropfen hört, denkt schnell an Vergewaltigung. Tatsächlich hat sich die farblose Flüssigkeit in den letzten Jahren europaweit in der Jugendkultur als Rauschmittel etabliert. Ein großes Problem, denn die Droge ist schwer zu dosieren. Zwischen dem von den Vergnügungssüchtigen anvisierten Glückgefühl und dem Fall ins Koma liegen nur wenige Zehntelmilliliter.

Was sind K.o.-Tropfen?

Der Begriff K.o.-Tropfen wird für unterschiedliche Substanzen verwendet. Gemeinsam ist den Stoffen, dass sie eine betäubende Wirkung haben und das Gedächtnis beeinträchtigen oder auch vollständig außer Kraft setzen. Meistens wird unter K.o.-Tropfen die Substanz GHB - Gamma-Hydroxybuttersäure - oder auch deren Vorläufersubstanz GBL – Gammabutyrolaceton – verstanden. GHB oder GBL werden auch Liquid Ecstasy genannt, da diese Substanzen in geringen Dosen entspannend, enthemmend und sexuell stimulierend wirken.

Zwar fällt die chemische Mischung mit der genauen Bezeichnung Gamma-Hydroxy-Butyrat (GHB) seit 2002 unter das Betäubungsmittelgesetz, doch das Partyvolk ist recht einfallsreich, wenn es um Ersatzstoffe geht. So kam Gamma-Butyro-Lacton (GBL) ins gefährliche Spiel. Dabei handelt es sich um eine Vorläufersubstanz von GHB, die erst im Körper zu GHB umgewandelt wird.

GBL entspricht in seiner Wirkungsweise gängigen, illegalen Drogen und dennoch ist die Flüssigkeit faktisch frei erhältlich. Bis vor kurzem war sie in Deutschland für jedermann auch in großen Mengen leicht verfügbar - als Nagellackentferner oder Felgenreiniger. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Trotzdem kann man das Teufelszeug immer noch recht einfach im Internet ordern, denn GBL steht nicht auf der schwarzen Liste des Betäubungsmittelgesetzes. Trotz nachweislich massenhaftem Missbrauch weigert sich die Politik, die Chemikalie als harte Droge einzustufen.

"GBL untersteht als Massenchemikalie nicht dem Betäubungsmittelgesetz, sondern unterliegt dem freiwilligen europäischen Monitoring-System im Rahmen der Grundstoffüberwachung", heißt es aus dem Bundesministerium für Gesundheit.

Die Frage nach dem Warum ist leicht beantwortet: Weil deutsche Konzerne viel Geld an der gefährlichen Flüssigkeit verdienen. "GBL ist ein wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie. Er ist unter anderem Ausgangstoff zur Herstellung von Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln, Reinigungs- und Lösungsmitteln", erklärt Michael Rath, Chefarzt der Suchtabteilung des Zentrums für Psychiatrie in Bad Schussenried, n-tv.de. "Eine Unterstellung unter das Betäubungsmittelgesetz würde den Umgang in der chemischen Industrie mit der Substanz deutlich erschweren, möglicherweise sogar unmöglich machen." Selbst den Vorschlag, die gefährlichen K.o.-Tropfen für den Konsum ungenießbar zu machen, lehnt das Bundesgesundheitsministerium bisher ab.

Enthemmt, euphorisch, tot

Dabei gibt es laut Rath über die Jahre hinweg inzwischen eine nicht unerhebliche Zahl von Todesfällen im Zusammenhang mit GBL-Konsum. In niedrigen Dosen wirken K.o.-Tropfen ähnlich wie Alkohol zunächst anregend. Der Konsument ist enthemmt und euphorisch. In mittlerer Dosierung löst die Flüssigkeit ein Verlangen nach körperlicher Nähe aus. Bei weiterer Dosiserhöhung kann es zum Bewusstseinsverlust und auch zum Tod kommen, erklärt Rath. Der Unterschied zwischen den einzelnen Rauschzuständen liege bei einigen Zehntelmillilitern, das heißt die Gefahr einer Überdosierung ist relativ hoch.

Unter Suchtmedizinern sind K.o.-Tropfen auch aus einem anderen Grund berüchtigt: Sie machen sowohl physisch als auch psychisch sehr stark abhängig. Die Droge zwingt den Süchtigen alle zwei Stunden erneut zu konsumieren. Der Entzug ist härter als beispielsweise der vom Alkohol.

Auch deshalb warnt Rath seit Jahren eindringlich vor den dramatischen Folgen, die die legale Verfügbarkeit mit sich bringt. Dabei könnten potentielle Opfer und Süchtige ganz leicht geschützt werden. Dafür müsste der Wirkstoff GBL einfach nur vergällt, also mit einem Bitterstoff angereichert werden. Für Kriminelle wäre es dann schwieriger, jemandem heimlich mit K.o.-Tropfen außer Gefecht zu setzen. Und Süchtigen wird die Droge verleidet, weil sie ungenießbar wäre.

Quelle: n-tv.de, dsi

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