Panorama
Am Tatort in Kandel zündeten Hunderte Menschen Kerzen in Gedenken an das Opfer vom Messermord an.
Am Tatort in Kandel zündeten Hunderte Menschen Kerzen in Gedenken an das Opfer vom Messermord an.(Foto: dpa)
Mittwoch, 03. Januar 2018

Polizei beschuldigt Jugendamt: Gefahr durch Täter von Kandel war bekannt

Die Bedrohung durch den mutmaßlichen Mörder von Kandel war dem Jugendamt laut Polizei bekannt. Die mehrfachen Warnungen habe das Amt demnach ignoriert. Am Alter des angeblich 15-jährigen Täters zweifeln die Behörden - ein Gutachten soll neue Erkenntnisse bringen.

Der Streit um eine mögliche Mitverantwortung der Behörden im Fall der tödlichen Messerattacke durch einen jugendlichen Flüchtling auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel ist weiter eskaliert. Die Polizei in Ludwigshafen widerspricht jetzt den Darstellungen des zuständigen Jugendamtes bezüglich der Gefährlichkeit des Jugendlichen.

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In einer Mitteilung erklärte die Polizei, anders als vom Jugendamt dargestellt sei der Vormund des mutmaßlichen Täters über eine direkte Bedrohung des Mädchens informiert worden. Konkret verwies die Polizei auf zwei Telefonate, in denen der zuständige polizeiliche Sachbearbeiter am 18. und 19. Dezember den Vormund auch über die konkrete Bedrohung des Mädchens informiert habe. Diese beiden Telefonate seien auch dokumentiert.

Außerdem habe es am 18. Dezember eine sogenannte Gefährderansprache gegeben, bei der auch zwei Betreuerinnen des Jugendlichen anwesend gewesen seien und in der es auch um die Bedrohung gegangen sei. In all diesen Gesprächen habe die Polizei von Drohungen, das Mädchen "abzupassen" und dass sie "aufpassen" müsse, berichtet.

Dagegen hatte das Jugendamt am Dienstag bestritten, über eine Bedrohung informiert worden zu sein. Es habe "zu keiner Zeit" Indizien gegeben, die dafür gesprochen hätten, dass um Leib und Leben des Mädchens zu fürchten sei.

In Kandel hatte am 27. Dezember ein aus Afghanistan stammender Verdächtiger seine 15-jährige Ex-Freundin erstochen. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich der Polizei zufolge um einen Asylbewerber, der im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland kam. Er soll 15 Jahre alt sein, es gibt aber Zweifel an seinem Alter.

Gutachten soll Alter des mutmaßlichen Täters klären

Das Alter des mutmaßlichen Messerstechers soll nun mit Hilfe eines medizinischen Gutachtens geklärt werden. Das kündigten Polizei und Staatsanwaltschaft an. Wenn er volljährig wäre, könnte für ihn Erwachsenenstrafrecht oder noch Jugendstrafrecht gelten. Nach Angaben des Kreises Germersheim, bei dem das zuständige Jugendamt angesiedelt ist, wird eine Volljährigkeit derzeit aber "von allen Beteiligten ausgeschlossen".

Laut dem mittlerweile vorliegenden vorläufigen Obduktionsergebnis wurde das Mädchen von mehreren Messerstichen verletzt, einer davon traf es ins Herz und war tödlich. "Die Ermittlungen zu dem Motiv, den Hintergründen sowie dem konkreten Tatgeschehen dauern an", hieß es in der Mitteilung. "Der in Untersuchungshaft befindliche Beschuldigte hat sich auch weiterhin nicht eingelassen und macht von seinem Schweigerecht Gebrauch." Die Polizei durchsuchte sein Zimmer in Neustadt an der Weinstraße und stellte dabei zwei Handys sicher. Derzeit würden außerdem Zeugen befragt, hieß es.

Quelle: n-tv.de