Panorama

Frauen in Köln verletzt Geiselnehmer zündete Molotowcocktail

Stundenlang hält ein Mann eine Frau im Kölner Hauptbahnhof als Geisel. Bei dem Zugriff von Spezialeinsatzkräften wird er mit mehreren Schüssen außer Gefecht gesetzt. Nun veröffentlichen die Ermittler erste Hinweise zum Tathergang.

Die Kölner Polizei schließt nach der Geiselnahme im Hauptbahnhof einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Ermittelt werde aber "in alle Richtungen", sagte die stellvertretende Polizeipräsidentin Miriam Brauns. Der Geiselnehmer hatte zuvor einen Molotowcocktail in einem Schnellrestaurant am Bahnhof gezündet. Dadurch wurde ein 14-Jähriges Mädchen verletzt, teilte die Polizei bei einer Pressekonferenz am Abend mit. Sie habe Brandverletzungen erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Eine weitere Person erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung, wie die Feuerwehr bekannt gab.

Die durch den Molotowcocktail ausgelöste Sprinkleranlage veranlasste den Täter ersten Erkenntnissen zufolge dazu, das Restaurant zu verlassen und in eine gegenüberliegende Apotheke zu flüchten. Dort nahm der Mann eine unbeteiligte Frau als Geisel. Er verschanzte sich mit ihr in einem hinteren Teil des Geschäfts. Der mutmaßliche Täter nutzte auch mehrere Gaskartuschen sowie Brandbeschleuniger und lagerte diese in der Apotheke. Den Ermittlern zufolge wurden blaue Campinggaskartuschen und Brandbeschleuniger gefunden, von denen einige mit Klebeband verbunden waren. Eine Kartusche habe sich auch an der Geisel befunden.

Als Spezialkräfte zugriffen, bedrohte der Mann die Geisel massiv und wollte sie nach Schilderung der Polizei anzünden. Das konnte durch die Beamten verhindert werden. Die "mittelschwer" verletzte Frau wurde in Sicherheit gebracht. Der Täter hatte eine Schusswaffe in der Hand, die noch nicht eindeutig auf ihre Echtheit geprüft wurde, so die Polizei. Es könne sich demnach auch um einen Gasrevolver handeln. Mehrere Einsatzkräfte eröffneten daraufhin das Feuer und trafen den Mann mit mehreren Kugeln. Der schwer Verletzte kollabierte und wurde von einer Ärztin der GSG9 reanimiert. Er werde nun in einem Kölner Krankenhaus notoperiert.

Zeugen werden um Hinweise gebeten

*Datenschutz

Während der Geiselnahme soll der Mann nach Angaben eines Sprechers geäußert haben, dass er zur Terrormiliz IS gehöre. Die Ermittler stellten auch das Ausweisdokument eines 55-jährigen Syrers sicher, der bis 2021 in Deutschland geduldet sei. Diese Person befinde sich seit 2016 in Köln und sei bereits durch mehrere Delikte wie Diebstahl und Betrug polizeilich in Erscheinung getreten. Ob es sich bei der Person auf dem Ausweis tatsächlich um den Geiselnehmer handelt, sei nicht hundertprozentig sicher. Es gebe aber allerdings eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt nun unter anderem wegen versuchten Mordes und Geiselnahme.

Zur Klärung der genauen Abläufe schaltete die Polizei Köln ein Hinweisportal ein. Zeugen wurden gebeten, unter nrw.hinweisportal.de Fotos und Videos hochzuladen, die in möglichem Zusammenhang mit dem Tatgeschehen rund um die Geiselnahme stehen könnten.

Mehrere Stunden nach dem Ende des Polizeieinsatzes wurde inzwischen der gesperrte Kölner Hauptbahnhof wieder freigegeben. Das twitterte die Deutsche Bahn. "Gleise 1 bis 9 wieder befahrbar", hieß es weiter. Es komme aber weiterhin zu Verspätungen rund um den viel befahrenen Schienenknotenpunkt. Nach Schätzungen der Deutschen Bahn NRW waren Hunderte Züge von der stundenlangen Sperrung betroffen. Fernzüge, Regionalbahnlinien und S-Bahnen sollten umgeleitet werden. Einige Züge endeten vorzeitig.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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