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Angelika W. und ihr Ex-Mann stehen wegen tödlicher Misshandlung vor Gericht.
Angelika W. und ihr Ex-Mann stehen wegen tödlicher Misshandlung vor Gericht.(Foto: dpa)
Dienstag, 12. Dezember 2017

Widersprüche über Sex-Vorlieben: Gericht entlässt Gutachter im Höxter-Prozess

Der Prozess um die tödlichen Misshandlungen im Horrorhaus von Höxter wird sich weiter hinauszögern. Das Landgericht Paderborn entbindet den bisherigen Gutachter von seinen Pflichten. Er soll sich in zu viele Widersprüche verstrickt haben.

Im Mordprozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter hat das Landgericht Paderborn den Sachverständigen Michael Osterheider von seiner Aufgabe entbunden. Der Professor der Uni Regensburg hatte sich bei seiner Aussage als Zeuge Mitte November in Widersprüche über sexuelle Präferenzen der Angeklagten verwickelt und sich anschließend krank gemeldet.

Aus gesundheitlichen Gründen und nach Vorlage eines Attests einer Regensburger Klinik hat das Gericht daher nun einen Gutachterwechsel verkündet. Die Ärztliche Direktorin der Gerichtspsychiatrie in Lippstadt-Eickelborn, Nahlah Saimeh, soll künftig nicht nur die Angeklagte Angelika W., sondern zusätzlich jetzt auch ihren Ex-Mann Wilfried W. begutachten.

Aus der Aussage eines Mitarbeiters ergab sich, dass der bisherige Sachverständige Osterheider in seinem Gutachten Gespräche des Mitarbeiters mit Wilfried W. als eigene Befragungen des Angeklagten angegeben haben soll. Der Verteidiger der Angeklagten warf ihm daraufhin Lügen und Abrechnungsbetrug vor.

Der 47-jährige Wilfried W. und seine 48-jährige Ex-Frau Angelika W. sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Mehrere Jahre lang soll das Paar Frauen in das Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien.

Der Experten-Wechsel wird das Prozessende nach 36 Verhandlungstagen um weitere Monate nach hinten verschieben. Auch die Erkrankung eines Richters hatte den Prozessfortgang bereits verzögert. Ein Urteil wird nun erst im Frühjahr 2018 erwartet.

Quelle: n-tv.de