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Längste Haft Deutschlands Gericht ordnet Freilassung nach 58 Jahren an

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Neumann ist mittlerweile 84 Jahre alt.

(Foto: picture alliance / dpa)

1963 wird Hans-Georg Neumann zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Doppelmörder versucht mit Anträgen auf Haftentlassung immer wieder auf freien Fuß zu kommen - bisher vergebens. Nun, nach 58 Jahren, gibt ein Gericht seinem Antrag statt.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat nach 58 Jahren Gefängnis die Entlassung von Hans-Georg Neumann angeordnet. Der mittlerweile 84-jährige Inhaftierte wurde 1963 vom Landgericht Berlin wegen zweifachen Mordes sowie Autostraßenraubs zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und gilt als der am längsten einsitzende Straftäter Deutschlands. Im Januar 1962 ermordete er ein junges Liebespaar in Berlin.

Am frühen Tatmorgen war er zunächst mit der Waffe in der Hand durch die Straßen Berlins gestrichen, so heißt es im Urteil. Als er müde wurde, wollte er das junge Paar, das in seinem Auto schlief, zwingen ihn im Auto nachhause zu fahren. Nach einer kurzen Fahrt nahm er den Opfern Schmuck und Geld ab und schoss ihnen in den Kopf. Ein paar Tage später wurde er festgenommen und kam in Untersuchungshaft in Berlin-Moabit.

Hans-Georg Neumann stellte während seiner Inhaftierung immer wieder Anträge auf Haftentlassung. Bisher lehnten die Gerichte eine Aussetzung der weiteren Haftstrafe zur Bewährung ab. Zuletzt hatte das Landgericht Karlsruhe im Mai 2020 einen entsprechenden Antrag abgewiesen. Dagegen hatte die Verteidigerin des Häftlings Beschwerde eingelegt, der das Oberlandesgericht jetzt folgte.

Jeder Inhaftierte muss Chance auf Freilassung haben

Eigentlich meint lebenslange Haft in Deutschland eine Gefängnisstrafe von mindestens 15 Jahren. 1977 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass jeder Inhaftierte die Möglichkeit haben muss, wieder freizukommen. Dies gebiete die Menschenwürde, die in Artikel eins der Verfassung verankert ist. Somit kann die Strafe nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden - entscheidend dabei sind die Persönlichkeit des Täters und die Sicherheit für die Allgemeinheit.

Nur in absoluten Ausnahmefällen - bei fortdauernder erheblicher Rückfallgefahr - ist die weitere Inhaftierung gerechtfertigt. Ein solcher Fall war Neumann bis zur Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe. Das Gericht ordnete vollzugsöffnende Maßnahmen an, damit die Freilassung des 84-Jährigen zu einem "bestimmten zukünftigen Zeitpunkt" möglich ist.

Quelle: ntv.de, spl/AFP

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