Panorama

Kontaktverfolgung unrealistisch Gerichte lassen Bordelle geschlossen

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Die Gerichte verwiesen bei ihrer Entscheidung auf den Körperkontakt und das Infektionsrisiko.

(Foto: dpa)

Mehrere Bordellbetreiber beschweren sich über die Corona-Beschränkungen, wonach ihre Geschäfte ruhen müssen. Sie wollen ihre Betriebe wieder öffnen und verweisen auf Hygienekonzepte. Gerichte in Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg lassen sich davon jedoch aus mehreren Gründen nicht überzeugen.

Bordelle bleiben in Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen weiter geschlossen. In mehreren Eilbeschlüssen entschieden dies die Verwaltungsgerichtshöfe (VGH) in Kassel und in Mannheim sowie das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg. Die Corona-Verordnungen dieser Länder sehen weiterhin die Schließung von Bordellen und anderen "Prostitutionsstätten" vor.

Ein Bordellbetreiber in Offenbach war der Auffassung, mit vernünftigem Hygienekonzept sei dies nicht mehr nötig. So versprach er die Einhaltung der Abstandsregel, zudem müssten Kunden für den Fall einer notwendigen Nachverfolgung ihre Kontaktdaten hinterlassen. Zwei Betreiberinnen von Prostitutionsstätten in Konstanz, Baden-Baden und Heidelberg wollten zumindest eine "Körpermassage nur durch die Begleiterin" anbieten. Ein Abstand von anderthalb Metern werde dabei zwar nicht eingehalten, dafür gebe es aber Einmalhandschuhe und Masken.

*Datenschutz

Beide Gerichte zeigten sich davon nicht überzeugt. Die Prostitution sei "gerade auf das Herstellen eines engsten Körperkontakts" ausgerichtet, erklärte der VGH in Mannheim. Hinzu komme die "gesteigerte Atemaktivität", welche die Infektionsrisiken weiter erhöhe. Beide Gerichte zeigten sich zudem skeptisch, dass Kunden tatsächlich ihre richtigen Kontaktdaten angeben. Daher sei es "nicht realistisch, dass eine zuverlässige und lückenlose Rückverfolgung der Infektionsketten annähernd gelingen" könne.

Ähnlich wies für Niedersachsen auch das OVG Lüneburg mehrere Betreiber ab. Das Gericht zeigte sich skeptisch, dass bei "sexuellen Dienstleistungen" die Hygieneregeln und insbesondere der Mindestabstand eingehalten würden.

Rheinland-Pfalz hatte ab Mittwoch ursprünglich wieder die Öffnung von Bordellen erlauben wollen. Dagegen gab es Bedenken unter anderem seitens mehrerer Kommunen, weil die Einhaltung von Hygieneregeln in Bordellen kaum möglich sei. Auch um Sextourismus zu vermeiden, strebt Rheinland-Pfalz nun ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer an.

Quelle: ntv.de, hul/AFP