Panorama

Akribische PlanungGilgo-Beach-Killer hatte viertägiges Mordritual

24.04.2026, 09:48 Uhr
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Rex Heuermann hat acht Morde gestanden. (Foto: AP)

Vier Tage, ein perfides Ritual: Rex Heuermann plant seine Morde wie ein Projekt, um die ungeheuerlichen Taten mit seinem Familienleben vereinbaren zu können. Er entwickelt einen Ablauf und optimiert ihn mit jedem Mord - minutiös, kalt und effizient.

Der als Gilgo-Beach-Killer bekannt gewordene Rex Heuermann folgte bei seinen Morden einem akribisch geplanten Ritual. Zu diesem Schluss kommt die Therapeutin Alison Winter in einer Dokumentation zu Heuermanns Mordserie.

Demnach entwickelte der Architekt eine viertägige Routine, die er bei seinen Taten immer wieder verwendete. Heuermann habe genau geplant, wie er seine Opfer in seinem Haus in Massapequa Park töten und foltern würde. Danach würde er wieder in sein gutbürgerliches Familienleben zurückkehren, beschrieb Winter sein Vorgehen. Es habe sich um einen "viertägigen Adrenalinrausch" gehandelt.

Laut Winter sorgte Heuermann zunächst dafür, dass sein Keller sauber war, bevor er seine Opfer ermordete. Bei den Frauen handelte es sich um Sexarbeiterinnen, mit denen er sich traf. An diese Vorbereitungen schloss sich an, was der Mörder als "Spielzeit" bezeichnete. "In seinem Kopf wurde es mehr und mehr zu einem Spiel. Vorbereitung, Timing, Spielzeit, aufräumen", sagte Winter. "Es wurde alles zu einem methodischen zweiten Leben."

Tötung optimiert

Heuermann brauchte demnach zwei Minuten und 32 Sekunden, um sein erstes Opfer zu töten. Es handelte sich um Sandra Costilla, die 1993 identifiziert wurde. Bis er sein letztes Opfer tötete, verkürzte er die Zeit auf nur noch 37 Sekunden. Er stoppte die Zeiten. "Er drückte den Timer, warf die Leiche weg, stieg wieder ins Auto und drückte den Timer erneut", sagte Winter.

Den dritten Tag verbrachte Heuermann damit, den Tatort zu vertuschen - er räumte wieder den Keller auf und beseitigte alle Werkzeuge. Den vierten Tag hielt er für sogenannte "Notfälle" frei, bevor er dann wieder in den Schoß seiner Familie zurückkehrte. "Das Töten wurde zu einem Ventil. Es wurde zu einer Obsession", sagte Winter. Demnach ließ sich Heuermann von dem gewalttätigen Material, das er las, inspirieren.

Indem er seiner Routine folgte, konnte er die Morde mit seinem Familienleben vereinbaren. Der Mörder gab an, im September 2010 mit dem Morden aufgehört zu haben, weil es ihm nicht mehr dieselbe Befriedigung bereitete. Das bezweifelte der FBI-Profiler John Douglas. "Wäre er nicht gefasst worden, hätte er meiner Meinung nach noch mehr Menschen getötet", sagte er in der Doku. Für ihn ist Heuermann "bösartig, narzisstisch, sadistisch und psychopathisch".

Die Staatsanwaltschaft von Suffolk County hatte berichtet, dass Heuermann ein Dossier führte, in dem er seine Morde detailliert plante und seinen Wunsch, weiter zu morden, zum Ausdruck brachte. Das Dossier enthielt den Angaben zufolge auch eine Checkliste von Gegenständen, die er brauchte. Dazu gehörten Feuchttücher und Handtücher. Außerdem listete er Kleidungsstücke auf, die er getragen hatte, und alle Beweismittel, die ihn mit den Verbrechen in Verbindung bringen könnten, um sie zu entsorgen.

Abwesenheit der Ehefrau genutzt

Heuermann bekannte sich Anfang April vor einem Gericht im Bundesstaat New York schuldig, zwischen 1993 und 2010 sieben Frauen entführt, gefoltert und getötet zu haben. Er gestand zudem einen achten Mord, der ihm bisher nicht zur Last gelegt worden war.

Die sogenannten Gilgo-Beach-Morde hatten in den USA ab dem Jahr 2010 landesweit für Aufsehen gesorgt. An einer Schnellstraße nahe dem Strand an der Südküste von Long Island waren damals die sterblichen Überreste von insgesamt elf Mordopfern entdeckt worden.

Mehr als zehn Jahre nach den Leichenfunden tappten die Ermittler im Dunkeln. Im Juli 2023 wurde der auf Long Island lebende Heuermann dann vor seinem Büro in Manhattan festgenommen. Die Polizei fand heraus, dass eines der Opfer in einem Fahrzeug gesehen wurde, das auf den Verdächtigen zugelassen war. Später konnten ihm DNA-Spuren zweifelsfrei zugeordnet werden. Die Polizei fand dabei heraus, dass Heuermanns Ehefrau stets verreist war, wenn sich die Morde ereigneten.

Quelle: ntv.de, sba

Mord und TotschlagUSA