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Klima-Star in Berlin Greta Thunberg mobilisiert Tausende

Greta

Greta Thunberg spricht bei der Klimademonstration "Fridays for Future" während der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Monaten wird ein 16-jähriges Mädchen als Heldin einer ganzen Jugendbewegung gefeiert. Auch in Berlin schafft es Greta Thunberg, Tausende junge Menschen zu begeistern. Ihre Botschaft ist einfach, aber eindringlich.

Um Viertel nach zwei ist es so weit. Greta Thunberg steht auf dem Podest vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Sie trägt eine dunkellila Daunenjacke. Die braunen langen Haare, zu Zöpfen geflochten, umrahmen ihr Gesicht. Vor ihr steht eine jubelnde Menge von Jugendlichen, die Transparenten mit Aufschriften wie "There is no Planet B" halten. Dutzende Kamera-Teams und Fotografen haben sich postiert. "Die ältere Generation tätschelt unseren Kopf, während sie versichert, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Aber wir sollten uns Sorgen machen und panisch sein!", sagt Thunberg.

Es ist ein Bild, wie es in den vergangenen Wochen oft durch die Medien geisterte. Ein rund 1,50 Meter großes 16-jähriges Mädchen wird nicht nur in Berlin, sondern seit Wochen als Ikone einer internationalen Jugendbewegung gefeiert. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat die schwedische Klimaaktivistin jüngst mit einem Propheten verglichen und von einem "Wunder des Engagements" gesprochen. In ihrem Heimatland ist Thunberg für den Friedensnobelpreis nominiert und wurde jüngst zur "Schwedin des Jahres" gekürt. An diesem Wochenende soll bei der Verleihung der Goldenen Kamera der Sonderpreis Klimaschutz überreicht werden.

Wo Thunberg derzeit auftaucht, kommt es zu Menschenansammlungen. An diesem Mittag sind laut Veranstalter rund 25.000 Menschen in den relativ zentral gelegenen Invalidenpark der Hauptstadt gekommen, um an der allwöchentlichen "Fridays for Future"-Demonstration teilzunehmen. Angemeldet war die Veranstaltung mit 15.000 Teilnehmern. Doch die Straßen um den von Bäumen gesäumten Platz sind verstopft von Jugendlichen mit Jeans und Rucksäcken. Die meisten dürften zwischen 12 und 19 Jahre alt sein. Auch einige Grundschüler sind mit ihren Eltern gekommen.

"Ohne Greta würden wir hier heute nicht stehen"

Die 19-jährige Maja trägt ein Pappschild, auf das sie in grün-blauen Großbuchstaben den Spruch "Respect your Mother" geschrieben und eine Weltkugel gemalt hat. Sie ist zum zweiten Mal bei einem Klimaprotest in Berlin mit dabei. Seit 15 Wochen ziehen deutschlandweit freitags Tausende Jugendliche durch die Städte. Bereits vor zwei Wochen war Maja dabei. "Heute ist es große Klasse, Greta live zu sehen und zu hören, was sie zu sagen hat", meint die Studentin. Für sie ist Greta ein Vorbild.

Und das dürfte Thunberg für viele der Jugendlichen hier sein. Sie saß am 20. August 2018 vor dem Stockholmer Reichstag, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Die damals noch 15-Jährige hatte wochenlang jeden Freitag die Schule geschwänzt. Ihren Ranzen und eine Trinkflasche neben sich, die Füße angezogen, mit ernstem Gesicht, hat das Mädchen, ganz ohne ein Wort zu sprechen, eine europaweite Bewegung entflammt. Auf ein Pappschild hatte sie drei Wörter geschrieben: "Skolstrejk för Klimatet" - Schulstreik für das Klima. Ein Satz, der mittlerweile wohl zu einem weltweiten Symbol geworden ist.

Es ist das Schild, das Thunberg auch an diesem Mittag mit ausgestreckten Armen in die Luft hält, als sie in vorderste Reihe durch Straßen von Berlin zieht. Sie wird umrahmt von Jugendlichen mit Megafonen. Im Hintergrund tönen laute Rufe und Sprechchöre: "Wir sind hier. Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut."

Einer von denen in der ersten Reihe ist der 17-jährige Alljoscha. Er trägt einen lila-grünen Fleecepulli, die blonden Haare kurz. Er ist aus Karlsruhe für die Demonstration angereist. Daheim fährt er viel Fahrrad, kauft sein Gemüse ohne Plastikverpackung im Supermarkt und isst nur Bio-Fleisch. Für ihn sei das wichtigste Ziel des Protests, dass die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden, sagte er. Alljoscha hat sich schon vor der ersten Teilnahme an einer der Klimademonstrationen im vergangenen Jahr für das Thema Umwelt interessiert. Aber er ist sich sicher: "Ohne Greta würden wir hier heute nicht stehen."

Im Netz eine Heldin und Gehasste zugleich

So viele Anhänger, wie die schwedische Klimaaktivistin bei den jungen Menschen hat, die an diesem Tag Richtung Brandenburger Tor ziehen, hat sie längst nicht überall. Während Thunberg im Internet von denen einen als regelrechte Heldin gefeiert wird, ist dort zugleich eine Hasskampagne gegen sie entbrannt.

Etliche behaupten, dass die 16-Jährige, bei der das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, "psychisch gestört" sei. Oder verunglimpfen sie als eine "Göre". Gegner werfen ihr zudem immer wieder vor, Marionette einer PR-Kampagne zu sein. In Interviews hat Thunberg ihren Kritikern entgegnet: "Es ist ein gutes Zeichen, dass sie mich hassen". Wenn ihre Gegner sich angegriffen fühlen, habe ihr Kampf gegen den Klimawandel Erfolg.

Bei Gretas ersten Auftritt in Deutschland Anfang März hatten ihr Schüler bei der Klimademonstration in Hamburg einen Papp-Briefumschlag auf der Bühne überreicht. Dieser stand symbolisch für die im Netz gestartet Online-Petition "We love Greta", die Tausende Unterzeichner fand. Auch die 14-jährige Noe aus Berlin kennt den in den sozialen Medien verwendeten Hashtag #WeloveGreta, der dem Hass im Netz etwas entgegensetzen soll. "Ich finde es traurig, dass gegen ein Mädchen gehetzt wird, das so viel Gutes bewirkt", meint sie.

Als Greta Thunberg am Ende der Demonstration vor dem Brandenburger Tor zu der Menge von Jugendlichen spricht, sind ihre Worte eindeutig: "Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel. Wir wollen eine gemeinsame Zukunft haben. Ist das wirklich zu viel verlangt?" Die Sätze von Thunberg hallen aus den Lautsprechern. Einige der Jugendlichen haben sich auf die Schultern ihrer Freunde gesetzt, um die 16-Jährige besser sehen zu können. Etliche strecken ihre Smartphones in die Luft, um Bilder einzufangen. "Glaubt mir, das ist erst der Anfang", sagt Thunberg. Das Jubeln der jungen Menschen, die sich von der Straße des 17. Juni bis hinter die Säulen des Brandenburger Tors drängen, zeigt zumindest an diesem Mittag, dass sie dafür viele Unterstützer hat.

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Quelle: n-tv.de

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