Panorama

Gold und Gewalt in Griechenland Griechisches Gericht verurteilt Deutsche

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Kein kleiner Eingriff: Um das Gold aus dem Boden zu waschen, benötigt Hellas Gold auf Chalkidiki umfangreiche Anlagen (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Die Richter in Thessaloniki sprechen ein schnelles Urteil: Zwei Tage nach den gewalttätigen Protesten gegen den Goldabbau auf Chalkidiki müssen vier Ausländer ins Gefängnis - darunter auch zwei Bundesbürger.

Ein griechisches Gericht hat zwei Deutsche, einen Franzosen und einen Italiener wegen der Beteiligung an gewaltsamen Protesten gegen eine Goldmine zu je eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Aus Kreisen der Justiz in Thessaloniki hieß es, die vier Ausländer würden voraussichtlich in ihre Herkunftsländer abgeschoben.

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"Unser Dorf unterstützt die Gold-Investition": Das Projekt Skouries verspricht Steuereinnahmen und Arbeitsplätze.

(Foto: REUTERS)

Die vier Männer, die den Angaben zufolge der antikapitalistischen Gruppe Beyond Europe angehörten, hatten sich am Sonntag zusammen mit Dutzenden weiteren Demonstranten, darunter viele Deutsche, Briten, Italiener und Bulgaren, gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Polizei setzte Tränengas ein. Während die meisten anderen Festgenommenen zu Wochenbeginn wieder freikamen, blieben die vier Männer in Haft. Den Angaben zufolge weigerten sie sich, ihre Personalien anzugeben.

Rohstoffe oder Touristen?

Die Proteste richteten sich gegen eine Mine in kanadischer Hand auf der nördlichen Halbinsel Chalkidiki. Die Demonstranten werfen den Betreibern von Hellas Gold Umweltzerstörung vor. Hellas Gold ist eine Tochtergesellschaft des kanadischen Unternehmens Eldorado Gold mit Sitz in Vancouver. Die Gegner der Edelmetallmine befürchten schwere Verschmutzungen des Grundwassers durch hochgiftige Chemikalien, die beim Goldabbau zum Einsatz kommen.

Gegen die Pläne von Hellas Gold und der Kanadier in der Region gibt es seit Jahren Proteste. Das Projekt auf Chalkidiki ist Teil jener Großvorhaben, die im Frühjahr nach dem Wahlsieg des Syriza-Bündnisses von der Regierung unter Premier Alexis Tsipras zunächst auf Eis gelegt wurden - zusammen mit zahlreichen weiteren Privatisierungsplänen. Gegen diese Entscheidung wiederum hatten wiederholt Tausende Bergarbeiter demonstriert, die durch Tsipras' Linie ihre Arbeitsplätze gefährdet sehen. Den Umgang mit Eldorado Gold werten Beobachter als Testfall für die Frage, ob das Land unter seiner Regierung noch ausländisches Kapital anziehen kann.

Brennpunkt der Athener Wirtschaftspolitik

Die Goldmine gilt als eines der größten Einzelinvestitionen in Griechenland seit Beginn der Wirtschafts- und Schuldenkrise. Das Investitionsvolumen bezifferten Experten auf etwa eine Milliarde US-Dollar. Der kanadische Rohstoffkonzern war 2012 in das Projekt eingestiegen - und wollte eigentlich so schnell wie möglich bis zu 30 Prozent seiner jährlichen Goldproduktion in Griechenland aus dem Boden holen.

Die Halbinsel im Norden der Ägäis zählt dank ihrer zahlreichen Buchten und des kristallklaren Wassers eigentlich zu den landschaftlich schönsten Regionen Griechenlands. Nur wenige Kilometer südlich der fraglichen Goldmine bei Stratoni beginnt die Landzunge mit dem Berg Athos, Sitz der gleichnamigen Mönchsrepublik. Die Proteste rund um den Goldabbau bekommen in Zeiten der Wirtschaftskrise zusätzliche Brisanz: Gerade in den wirtschaftsschwächeren Regionen abseits der großen Städte gilt der Tourismus - der von einer intakten Natur profitiert - als wichtige Stütze Griechenlands.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP

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