Panorama

Zutrittsverbot für Migranten Güstrower Fitness-Studio rudert zurück

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Auch der Betreiber des Studios in Güstrow will von dem Aushang nichts gewusst haben.

(Foto: imago/Westend61)

Nach der Festnahme dreier Terrorverdächtiger in Güstrow verwehrt ein örtliches Fitness-Studio Menschen mit Migrationshintergrund den Zugang - um die Kunden zu schützen, wie es heißt. Die Maßnahme sorgt für Empörung. Doch der Betreiber will von nichts gewusst haben.

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Ein Fitnessstudio im mecklenburgischen Güstrow hat sich für einen Aushang entschuldigt, wonach es Menschen mit Migrationshintergrund nicht mehr erlaubt ist, in dem Studio zu trainieren. Der Fall hatte vor allem in den sozialen Netzwerken für Empörung gesorgt. Ein Polizeibeamter hatte das Schild am Eingang des Studios auf Twitter geteilt - und damit heftige Reaktionen ausgelöst. In dem handgeschriebenen Aushang hieß es, "zum Schutz unserer Mitglieder werden wir ab sofort keine Mitbürger mit Migrationshintergrund mehr aufnehmen".

Der Beamte kommentierte die Kundeninformation mit den Worten: "Wenn das kein Fake ist, dann ist es abscheulich, krank und verachtenswert. Rassismus pur." Und tatsächlich handelte es sich nicht um einen schlechten Scherz, wie die Kette Easyfitness mittlerweile bestätigte. Die Filiale in Güstrow gehöre zwar zum Unternehmen, hieß es in einer Erklärung der Firmenzentrale in Hannover, aber von dem Aushang habe man nichts gewusst.

Er zeige einen "deutlich misslungenen Versuch, erschrockene und verängstigte Mitglieder zu beruhigen" - und einen Vorgang, von dem sich Easyfitness und alle seine Franchisepartner grundsätzlich distanzieren würden. Die Zentrale erklärte die fragwürdige Maßnahme mit der Verhaftung dreier Terrorverdächtiger in Güstrow am Mittwochmorgen - einer der mutmaßlichen Islamisten sei Mitglied des Studios gewesen und habe einen Tag vor seiner Festnahme noch dort trainiert.

Die Polizei hatte die Wohnungen und eine Garage der Verdächtigen am Mittwoch wegen des Verdachts der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" durchsucht. Es handelt es sich den Angaben nach um zwei Bosnier und einen Deutschen. Die Festnahme der Männer sorgt in Mecklenburg-Vorpommern für reichlich Ärger - auch auf politischer Ebene. Denn weil die mutmaßlichen Islamisten zu spät dem Haftrichter vorgeführt wurden, mussten sie bereits wieder freigelassen werden.

Nicht mit Betreiber abgesprochen

Vertreter der Linken und der AfD forderten deshalb von Landesinnenminister Lorenz Caffier Aufklärung über den Anti-Terror-Einsatz und mögliche Versäumnisse der Behörden. Eine SPD-Abgeordnete brachte zudem eine Sondersitzung des Innenausschusses ins Gespräch. Caffier hatte nach den Festnahmen erklärt, durch den Einsatz, an dem auch Spezialkräfte der GSG-9 beteiligt waren, sei eine konkrete Gefahrenlage verhindert worden. Der Landesverfassungsschutz habe die Männer bereits länger im Blick gehabt.

In der Easyfitness-Filiale in Güstrow bemühen sich die Betreiber unterdessen um Schadensbegrenzung. "Wir möchten uns zunächst in aller Form für den Inhalt entschuldigen", hieß es in einer Erklärung des Studios auf Facebook. Der Inhalt der Kundeninformation spiegele nicht die Philosophie des Unternehmens wider und sei auch nicht mit den Betreibern abgesprochen gewesen. "Wir distanzieren uns klar von solchen Äußerungen und heißen auch in Zukunft alle Menschen herzlich Willkommen."

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP