Panorama

Todesfälle um 50 Prozent erhöht Hat Italien viel mehr Corona-Tote als gedacht?

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Laut den Daten starben im März 25.354 Menschen mehr als durchschnittlich in den fünf März-Monaten davor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die italienischen Behörden haben neue Daten zur Sterblichkeit im Land veröffentlicht. Demnach sind im März 50 Prozent mehr Menschen gestorben als in den Jahren zuvor. Nun wird vermutet, dass die Zahl der Corona-Opfer viel höher liegt, als bislang angenommen.

Im von der Corona-Pandemie besonders schwer betroffenen Italien sind im März deutlich mehr Menschen gestorben als normal üblich. Verglichen mit den März-Monaten der Jahre 2015 bis 2019 stieg die Zahl der Toten um 49,4 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut (Istat) und das Forschungsinstitut des italienischen Gesundheitsdienstes (ISS) mitteilten. Zwischen dem 20. Februar, als Italien den ersten Corona-Toten meldete, und dem 31. März lag der Anstieg demnach bei 38,7 Prozent.

Die sogenannte Übersterblichkeitsrate könnte darauf hindeuten, dass in Italien wesentlich mehr Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben sind als offiziell registriert. Bis Sonntagabend meldeten die Behörden knapp 29.000 Corona-Opfer, doch handelt es sich dabei vorwiegend um Patienten aus den Krankenhäusern. In den Pflegeheimen wurden nur wenige Bewohner auf das Virus getestet, und wieviele Menschen zu Hause an der Infektion starben, ist ebenfalls weitgehend unbekannt.

90 Prozent der Übersterblichkeit konzentriere sich laut Istat auf die Gemeinden mit hohen Infektionszahlen, vor allem im Norden des Landes. Alleine im März ging die Zahl der Toten in Bergamo - einer der am stärksten betroffenen Provinzen - im Vergleich zu 2015-2019 um 568 Prozent nach oben, 391 Prozent waren es in Cremona und 370 Prozent in der Provinz Lodi. Dagegen lag die Sterblichkeit in wenig betroffenen Regionen im Süden teils unter der normalen Rate. 

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Laut den veröffentlichten Daten starben im März 25.354 Menschen mehr als durchschnittlich in den fünf März-Monaten davor. 13.691 und damit 54 Prozent dieser zusätzlichen Opfer hätten sich eindeutig mit dem Coronavirus angesteckt, hieß es in der gemeinsamen Erklärung von Istat und ISS.

Für die übrigen 11.663 Todesopfer gibt es demnach drei "Hypothesen": Dass sie mit dem Virus infiziert waren, aber nie getestet wurden; dass sie an den "indirekten Folgen" einer unentdeckten Virusinfektion starben, weil diese ihre Vorerkrankungen verschlimmerte; oder dass sie an anderen Erkrankungen starben, weil das Gesundheitssystem mit der Corona-Epidemie komplett überlastet war.

Die Istat-Studie basiert auf Daten von rund 6900 Gemeinden, 87 Prozent der Gesamtzahl. Experten weisen seit langem darauf hin, dass die offiziell genannte Zahl der Toten in Italien weit unter der wahren Zahl der Opfer liegt. Vor allem zu Beginn wurden viele Tote gar nicht auf das Virus untersucht, auch starben in Altersheimen oder in Familien zuhause viele Menschen, die nicht in die Statistik eingingen.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa