Schwanzflosse gehobenHelfer beschreibt Freilassung des Wals in der Nordsee

Als der Wal in die Nordsee entlassen wurde, liefen keine Kameras. Rettungsinitiatorin Walter-Mommert kritisiert die Besatzung des Schiffs für die angeblich voreilige Aktion. Jetzt schildert eine Person, die dabei war, die entscheidenden Momente.
Der mehrfach in der Ostsee gestrandete Buckelwal sei erholt aus dem Lastkahn in die Nordsee geschwommen. Das sagt ein an der Überführung beteiligter Helfer der "Ostsee Zeitung". Der Insider möchte "aufgrund der politischen Brisanz des Themas und zum Selbstschutz" anonym bleiben. Es ist das erste Mal, dass sich ein Beteiligter öffentlich äußert.
Bisher sprach lediglich die Mitinitiatorin der Walrettungsaktion, Karin Walter-Mommert, zur Freilassung. Sie kritisierte diese als voreilig und chaotisch. Der Wal soll sich ihr zufolge leichte Verletzungen zugezogen haben, als er in der Barge war oder diese verließ. Sie hätte den Wal "gern ein ganzes Stück weiter raus" in Richtung Atlantik gebracht, doch die Schiffsbesatzung habe den Einsatz beenden wollen, sagte Walter-Mommert nach ihrer Rückkehr von der Nordsee.
Das anonyme Besatzungsmitglied schildert die Situation nun anders. Demnach war es möglich, den Tiefgang der Barge anzupassen. Der Lastkahn wurde zur Freilassung abgesenkt, sodass der Wal nicht mehr auf dem Boden auflag, sondern im Wasser trieb. Das schleppende Schiff habe anschließend beschleunigt. Daraufhin rutschte das Buckelwalmännchen aus dem Transportmittel. Der Helfer beschreibt es so: "Ähnlich wie bei einer Tischdecke, auf der ein Teller liegt, und man schnell an der Decke zieht." Weitere Verletzungen seien demnach ausgeblieben.
Nach seiner Freilassung sei der Buckelwal schnell selbst aktiv geworden: "Der Wal schwamm sofort los. Nach mehreren kräftigen Schlägen hatte er schon 30 Meter zurückgelegt." Schon nach wenigen Minuten sei der Meeressäuger nicht mehr zu sehen gewesen. "Nur durch sein Ausatmen war er noch zu erkennen. Einmal streckte er kurz die Schwanzflosse aus dem Wasser und schwamm davon."
Freilassung angeblich von Initiative gestartet
Das Signal, dass der Wal an dieser Stelle freigelassen werden soll, sei der Person zufolge von der Rettungsinitiative gekommen. "Die Freilassung war nicht spontan, denn es bedarf einiger Vorbereitung." Eine Stunde hätten diese Vorbereitungen in Anspruch genommen. Für die Helfer sei überraschend gewesen, dass die Vorbereitungen auf hoher See geschehen sollten und nicht in einem sicheren Hafen.
In Videos war zu sehen, wie die Besatzungsmitglieder mit Seilen an dem 14-Meter-Tier hantierten. Dies geschah den Angaben des Insiders nach zum Schutz des Wals. Dem anonymen Helfer zufolge sei das Maul des Wals bereits verletzt gewesen. Die Leute auf der Barge versuchten, eine Verschlechterung des Zustands zu verhindern. "Das Ziel war, das Tier zu drehen, damit es durch die hohen Wellen nicht mehr mit dem Kopf an die Wand [des Lastkahns, Anm. d. Red.] knallt."
Bei der Überfahrt hätte die Besatzung eine Verbesserung der Haut des Wals bemerkt. Das 12 Tonnen schwere Tier habe wegen des höheren Salzgehalts in der Nordsee plötzlich wieder "frisch und gut" ausgesehen. Nichtsdestotrotz musste ein Schaden an der Haut erzeugt werden: Mittels eines Bolzens und zweier Schrauben sei der Tracker an einer Flosse angebracht worden. Den Angaben des Helfers zufolge wurde auch kurzzeitig überlegt, das etwa schuhgroße Gerät anzunähen.