Panorama

Wettlauf gegen die Zeit Helfer warnen vor Zyklon-Folgen

Auch eine Woche nach dem Zyklon "Idai" in Südostafrika steigt die Zahl der Toten noch. Nach wie vor fehlen Nahrung und Trinkwasser, auch das Krankheitsrisiko steigt. Die humanitäre Hilfe in der Region muss dringend aufgestockt werden, geben Experten zu Bedenken.

Nach dem verheerenden Zyklon "Idai" warnen Helfer in Mosambik, ihnen laufe die Zeit davon. "Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt", erklärte die Exekutivdirektorin des UN-Kinderhilfswerks, Henrietta Fore, in der Stadt Beira. Es regne immer noch und die schwellenden Flüsse könnten weitere Orte unter Wasser setzen. Auch kämen immer mehr Geflüchtete in der schwer betroffenen Metropole Beira an. Das UN-Nothilfebüro in Genf geht inzwischen von mindestens 1,7 Millionen Betroffenen in Mosambik, Malawi und Zimbabwe aus.

Die Helfer wappnen sich bereits für die nächste große Gefahr: Krankheiten. "Der nächste Schritt ist, sauberes Trinkwasser sicherzustellen, denn Krankheiten kommen als nächstes", sagte Fore. Nach einer derartigen Katastrophe ist das Risiko vor allem von Durchfallerkrankungen wie Cholera extrem hoch, denn es gibt kaum sauberes Trinkwasser, kein funktionierendes Abwassersystem und Leichen zersetzen sich in den angestauten Gewässern. Zudem sei man sehr besorgt über eine Zunahme von Malariaerkrankungen wegen des stehenden Wassers, so Fore.

Eine Woche nach dem Durchzug des Zyklons "Idai" warten unzählige verzweifelte Menschen noch immer auf Nahrung und Trinkwasser. Mindestens 600.000 hätten ihre Bleibe verloren, so das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen. Die UN- und andere humanitäre Helfer seien schon seit Tagen im Einsatz, um Zehntausenden zu helfen, die alles verloren hätten.

Arbeit unter gefährlichen Bedingungen

"Idai" war mit der Stärke vier von fünf und Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean kommend bei Beira auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten, massive Überschwemmungen und schwerer Regen. Inzwischen ist die Zahl der Todesopfer des Zyklons weiter gestiegen.

Die Katastrophenschutzbehörde in Mosambik sprach zuletzt von 293 Toten und 1511 Verletzten. Bislang seien fast 90.000 Menschen gerettet worden. In Simbabwe wurden inzwischen mehr als 145 Leichen in dem schwer betroffenen Bezirk Chimanimani geborgen, wie ein Sprecher der Streitkräfte, Exavier Chibasa, sagte. Insgesamt sollen in allen betroffenen Ländern zusammen mehr als 600 Menschen getötet worden sein. Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa erklärte Samstag und Sonntag zu Trauertagen.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich zutiefst bestürzt über die Zerstörung. "Wir müssen alle solidarisch mit den Menschen von Mosambik, Malawi und Simbabwe sein", teilte er mit. Er lobte die humanitären Helfer als "Helden" und ihre Arbeit unter "gefährlichen und schwierigen Bedingungen".

Katastrophale Zustände in Lagern

Doch für den Einsatz im Katastrophengebiet stehen dem UN-Nothilfebüro zufolge bislang nur elf Hubschrauber zur Verfügung. Ein weiterer sei auf dem Weg, sagte ein Sprecher. Wie viele Menschen nach dem verheerenden Tropensturm noch auf Rettung angewiesen sind, konnten die UN-Helfer nicht genau sagen. Die Hälfte der Betroffenen seien Minderjährige, schätzt Unicef.

Viele Menschen sammelten sich in Lagern mit katastrophalen Zuständen, sagte ein Sprecher. Vor allem für Kinder seien diese Lager nicht sicher. Unicef-Chefin Fore erklärte, man benötige dringend und rasch Gelder, um den Kindern helfen zu können. "Keine der Organisationen hat das, was sie braucht." Das UN-Kinderhilfswerk allein hat um Gelder in Höhe von 30 Millionen Dollar für die drei betroffenen Länder Mosambik, Simbabwe und Malawi gebeten.

Das WFP reihte die Katastrophe jetzt unter den derzeit größten Noteinsätzen neben den Hilfsaktionen im Jemen, Syrien und Südsudan ein. "Das beschleunigt den bereits großen Einsatz (von Helfern und Hilfsgütern)", wie das WFP mitteilte. "Aber jetzt, da das unglaubliche Ausmaß der Schäden deutlich wird, steigt die Zahl der Menschen, die Hilfe brauchen, rapide", sagte WFP-Sprecher Herve Verhoosel in Genf. "Das WFP braucht dringend Geld, um Hunderttausende mit sofortiger Überlebenshilfe zu versorgen."

Quelle: n-tv.de, psa/dpa/AFP

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