Panorama

Ermittler stehen ganz am Anfang Herkunft der Opfer zum Teil geklärt

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Die ersten Bergungstrupps sind an der Absturzstelle, weitere sollen im Laufe des Tages eintreffen.

(Foto: dpa)

Als sicher gilt bislang nur, dass alle 150 Menschen an Bord des A320 von Barcelona nach Düsseldorf tot sind. Die meisten waren Deutsche und Spanier. Die ersten Ermittlerteams sind an der Unglücksstelle.

Immer mehr wird über die Herkunft der 150 Passagiere an Bord des am Dienstagvormittag abgestürzten A320 bekannt. In einem ersten Statement hatte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann von 67 deutschen Staatsbürgern gesprochen, aber betont, dass die Zahl nicht endgültig feststehe. 45 Menschen an Bord waren den Namen nach Spanier, weitere sollen türkische Staatbürger und Belgier sein. Es sei "wahrscheinlich", dass einige Briten in dem Airbus A320 gewesen sind, sagte der britische Außenminister Philip Hammond. Darunter seien wohl auch eine Frau und ihr Baby aus Nordengland. Über die Gesamtzahl britischer Opfer wollte er nicht spekulieren.

Nach Angaben des dänischen Außenministeriums kam auch ein dänischer Staatsbürger ums Leben. Laut kolumbianischem Außenministerium in Bogotá starben ein Mann und eine Frau aus dem südamerikanischen Land. Auch zwei Argentinier seien in der verunglückten Maschine gereist, erklärte ein Diplomat der argentinischen Botschaft in Paris. Zwei weitere Opfer stammen vermutlich aus Mexiko. Nach israelischen Medienberichten war unter den Toten auch ein 39 Jahre alter israelischer Geschäftsmann, der in den vergangenen Jahren in Barcelona gelebt habe.

Zu den deutschen Opfern zählen 16 Schüler und 2 Lehrer eines Gymnasiums im westfälischen Haltern. Sie waren auf dem Rückweg von einem Austausch bei Barcelona. In Haltern wurde das Joseph-König-Gymnasium geschlossen. In der Schule wurde ein Krisenstab gebildet. Notfallseelsorger sind im Einsatz, Schüler legten Blumen nieder. Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel sprach unter Tränen vom "schwärzesten Tag in der Geschichte der Stadt".

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Keine Hypothese wird ausgeschlossen

Bei der Pressekonferenz am Abend nach dem Unglück sagte Winkelmann, Mitarbeiter der französischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA seien mittlerweile an der Unglücksstelle eingetroffen. Sie hätten die Leitung der Untersuchung übernommen. Auf dem Weg zur Absturzstelle in den französischen Alpen seien zudem Experten der deutschen Untersuchungsbehörde BFU sowie von Germanwings, der Konzernmutter Lufthansa und des Flugzeugherstellers Airbus. Die nächsten Informationen stellte Germanwings für diesen Mittwoch in Aussicht.

Winkelmann machte keine Angaben zu weiteren Details des Unglücksflugs oder zu einer möglichen Absturzursache. Zuvor hatte er berichtet, die Maschine sei um kurz nach 10 Uhr in Barcelona mit dem Ziel Düsseldorf gestartet. Sie habe um 10.45 Uhr ihre übliche Reiseflughöhe von 38.000 Fuß erreicht und nur eine Minute später diese Höhe wieder verlassen. Um 10.53 Uhr sei der Funkkontakt zu der Maschine mit der Kennung D-AIPX in einer Höhe von rund 6000 Fuß abgerissen.

Die Suche nach den Ursachen steht noch am Anfang. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann keine Hypothese ausgeschlossen werden", sagte Frankreichs Premierminister Manuel Valls. Die Ermittler gehen einer ganzen Reihe von Annahmen nach und setzen große Hoffnungen auf die Auswertung der Flugschreiber, von denen einer bereits gefunden wurde.

Einen Notruf setzten die Piloten entgegen ersten Informationen offenbar nicht ab. Normalerweise setzen Piloten in Schwierigkeiten drei Mal den "mayday-Notruf" ab, damit ihnen die Luftraumkontrolle den Weg freihält und sie sich auf ihr Problem konzentrieren können, wie ein früherer Mitarbeiter der französischen Ermittlungsbehörde BEA erläuterte. Der Pilot war laut Germanwings ein erfahrener Flugkapitän. Trotzdem wird auch ein Pilotenfehler derzeit nicht ausgeschlossen.

Zahlreiche Maschinen bleiben am Boden

Im Laufe des Dienstags musste die Fluggesellschaft eine Reihe von Flügen streichen. In Düsseldorf fielen laut Flughafen-Homepage unter anderem Verbindungen nach Paris, Hamburg, London, Madrid und Stockholm aus. Auch in Köln fielen Germanwings-Verbindungen aus. Dort wurde laut Flughafen Verbindungen nach London, Mailand und Zürich annulliert.

Am FlughafenBerlin- Tegel fielen Abflüge nach Nürnberg, Köln/Bonn, London, Düsseldorf, Kopenhagen und Stuttgart aus sowie Flüge aus Köln/Bonn und Düsseldorf. Das geht aus der Flugtabelle im Internet hervor. In Leipzig/Halle wurden Flüge aus Köln/Bonn und Stuttgart gestrichen, wie Flughafensprecher Uwe Schuhart sagte. "Warum, weiß ich nicht", sagte er weiter. Auch Germanwings hat sich dazu noch nicht geäußert. Lufthansa teilte dagegen mit, die Crews hätten persönliche Gründe angegeben.

Merkel trifft Rajoy und Hollande am Absturzort

Bundeskanzlerin Angela Merkel will an diesem Mittwoch zum Unglücksort reisen. Merkel wird die Absturzstelle zusammen mit Frankreichs Staatschef François Hollande und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy besuchen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft will Merkel begleiten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) reisten unmittelbar nach Bekanntwerden der Katastrophe zur Unglücksstelle.

Einer der Ersten, die sich ein Bild von der Lage an der Absturzstelle machten, war der französische Abgeordnete Christophe Castaner, der mit Innenminister Cazeneuve das Gebiet überflog. Er sprach von einer "apokalyptischen Szene". "Es sind nur noch Trümmer und Leichen übrig."

Die spanische Regierung ordnete nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich eine offizielle Trauer von drei Tagen an. Dies gab Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría im Anschluss an eine Sitzung des Krisenstabs der Madrider Regierung bekannt. Die Trauer solle in der Nacht beginnen. Sáenz de Santamaría teilte ferner mit, dass Spanien sich an den Ermittlungen zur Klärung der Unglücksursache beteiligen werde. Die genaue Zahl der spanischen Opfer der Katastrophe stehe noch nicht fest. Bisher sei nur bekannt, dass auf der Passagierliste 45 Fluggäste mit spanischen Nachnamen stünden. Die Regierung sei zusammen mit Germanwings bemüht, die Nationalität der Passagiere festzustellen.

Quelle: n-tv.de, nsc/AFP/dpa/DJ