Viel Sonne, bis 20 GradHoch "Jannis" tackert den Frühling fest - Saharastaub kommt

Die Sonne hat den blauen Himmel in den nächsten Tagen weitgehend für sich. Die Temperaturen verharren im zweistelligen Bereich. Doch was die meisten freut, dürfte für Allergiker zunehmend zu einem Problem werden. Zudem steigt die Waldbrandgefahr, warnt ntv-Meteorologe Björn Alexander.
ntv.de: Der Frühling der sonnigen Art scheint jetzt richtig in Wallung gekommen zu sein. Bleibt das auch weiterhin so?
Björn Alexander: Bis in die nächste Woche hinein bleibt uns das von Hochdruckgebieten dominierte Wetter erhalten und nur lokal sind mal einzelne Schauer möglich. Das bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich.
Die Vorteile liegen für Sonnenanbeter und Betreiber von PV-Anlagen wohl auf der Hand. Bleibt die Frage: Wie viele Sonnenstunden können wir derzeit denn erwarten?
Astronomisch gesehen sind bis um die elf Sonnenstunden drin. Die gab es am Mittwoch beispielsweise auf den Bergen im Süden, wie auf dem Belchen in Baden-Württemberg, der Zugspitze oder dem Wallberg in Bayern. Aber auch ansonsten wurden oftmals um oder über 10 sonnige Betriebsstunden gezählt. Gleichzeitig rangieren die Tageshöchstwerte in Spitzen bei rund 20 Grad Celsius - vor allem in den westlichen Landesteilen. Damit ist übrigens hier schon der Startschuss für ein nachhaltiges Wachstum gefallen.
Woran lässt sich das festmachen?
Anhand der sogenannten Grünlandtemperatursumme. Hierbei werden die positiven Tagesmitteltemperaturen mit unterschiedlichen Gewichtungen aufsummiert. Sprich: Für den Januar gilt der Faktor 0,5 und für den Februar 0,75. Ab März geht dann das volle Tagesmittel in die Berechnung mit ein. Ist ein Wert von 200 erreicht, dann ist der Frühling quasi in vollem Gange.
Wo sind die 200 bereits überschritten?
Das gilt in den westlichen Landesteilen, zum Beispiel an den Wetterstationen in Aachen, Düsseldorf, Essen, Köln oder Nörvenich in NRW sowie in Lahr oder Freiburg in Baden-Württemberg.
Von den positiven Seiten des sonnigen Wetters zu den negativen Folgen. Wie äußern sich die?
Der Pollenflug ist in vollem Gange - auch in den kühleren Regionen. Das gilt insbesondere für die Pollen von Hasel und Erle, die derzeit in mittleren bis hohen Konzentrationen verbreitet sind. Weniger relevant sind die Pollen von Pappel, Ulme und Weide, die aber von Südwesten und Westen her jetzt mehr und mehr ins Geschehen eingreifen. Ein bisschen Schonfrist besteht indes für die hochgradig allergenen Pollen der Birke. Aber auch hier müssen sich Allergiker ab etwa der Monatsmitte auf ansteigende Belastungen einstellen.
Was gibt es sonst noch an nennenswerten Entwicklungen im Zuge des Hochdruckwetters?
Ebenfalls wichtig ist der Hinweis auf den Anstieg der Waldbrandgefahr. Auch wenn der Februar am Ende zwar deutlich zu nass ausgefallen ist, so war der Winter insgesamt viel zu trocken. Im deutschlandweiten Mittel sind im Dezember, Januar und Februar, also dem meteorologischen Winter, knapp 140 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das entspricht - verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt von 1991 bis 2020 - nur knapp 75 Prozent.
Mit welchen konkreten Folgen?
Mit der anhaltenden Trockenheit steigt die Waldbrandgefahr jetzt gebietsweise schon auf Stufe 3. Und selbst die zweithöchste Stufe 4 ist am Wochenende besonders auf den sandigen Böden im Osten unseres Landes denkbar. Das ist sehr früh im Jahr und wir sollten uns dementsprechend vorsichtig beim Aufenthalt in den Wäldern verhalten.
Wie sieht es denn im Rest Europas aus? Macht sich das Hochdruckwetter ebenfalls bemerkbar?
In Mitteleuropa vielfach ja, aber weiter drumherum nicht. Denn die Tiefdruckgebiete müssen natürlich auch noch irgendwo hin. Dementsprechend spitzt sich die Lage im Südwesten sowie im Norden Europas zu. Das gilt in nächster Zeit zum Beispiel im Bereich der Pyrenäen, wo die Wettercomputer bis um die 200 Liter Regen pro Quadratmeter berechnen. Hinzu kommt das Tauwasser aus den Bergen, sodass hier lokale Hochwasser, Überschwemmungen oder Erdrutsche nicht auszuschließen sind. Heftige Niederschläge sind auch am Skandinavischen Gebirge sowie auf Island zu erwarten. Auf der Vulkaninsel im Nordatlantik sind im Hinterland Neuschneemengen von einem Meter oder mehr möglich.
Welche Wetterkapriolen schlägt der Winter denn im Norden Amerikas? Hier war es in den vergangenen Wochen ja immer wieder schneereich und eiskalt.
Dem Winter geht es auch in großen Teilen der USA sowie bis herauf nach Kanada ziemlich an den Kragen. Mit Frühlingswärme und massivem Tauwetter sowie teils reichlich Regen steigt die Hochwassergefahr. Außerdem spekulieren die Wettercomputer in Teilen der USA auf Gewitterlagen mit Tornadogefahr.
Worauf können wir uns in Deutschland in den kommenden Tagen im Detail einstellen?
Von ein paar Schauern am Samstag im äußersten Norden sowie am Sonntag im Südwesten mal abgesehen bleibt es durch Hoch "Jannis" trocken und oftmals freundlich bis sonnig. Allerdings: Ganz ungetrübt zeigt sich der Himmel zum Wochenende hin auch nicht unbedingt. Mit der warmen Luft aus dem Süden schummelt sich nämlich Saharastaub bis zu uns - zuerst bevorzugt in die westlichen Landesteile. Das kann den sonnigen Eindruck schon mal dämpfen.
Wo bewegen sich die Temperaturen?
Am Freitag sowie am Wochenende erwarten uns verbreitet frühlingshafte 14 bis 20 Grad. Lediglich bei den Nordlichtern ist es im Seewind nach wie vor frischer, mit Höchstwerten um oder sogar etwas unter 10 Grad. Und auch zum Beginn der nächsten Woche sieht es noch nicht nach allzu großen Änderungen aus.