Rückkehr von El Niño möglichKlimaphänomen könnte in diesem Jahr neue Rekordhitze auslösen

2023 und 2024 führt die bislang letzte El-Niño-Phase zu den heißesten Jahren, die je auf unserem Planeten gemessen wurden. Seitdem gönnt sich das Klimaphänomen, das seinen Namen von südamerikanischen Fischern hat, eine Pause. Doch diese könnte bald vorbei sein.
Wegen der globalen Erwärmung wurden in den vergangenen Monaten und Jahren immer neue Temperaturrekorde gemessen. Dieses Jahr könnte eine Rückkehr des Klimaphänomens El Niño zu einem zusätzlichen Anstieg der Temperaturen führen. Laut der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) der USA besteht eine 50- bis 60-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich zwischen Juli und September ein El Niño entwickelt. Die Weltmeteorologieorganisation (WMO) will heute in Genf eine aktualisierte Prognose veröffentlichen.
Woher kommt der Name?
El Niño und das Gegenphänomen La Niña sind die beiden Phasen eines wiederkehrenden natürlichen Klimaphänomens im äquatornahen Pazifikgebiet, das unter Fachleuten als El Niño-Southern Oscillation (Enso) bekannt ist. Der Begriff "El Niño" wurde im 19. Jahrhundert von peruanischen und ecuadorianischen Fischern geprägt, um die Ankunft eines ungewöhnlich warmen Meeresstromes an ihren Küsten zu bezeichnen, der ihren Fang schmälerte. Er spielt an auf das Christkind, weil das Phänomen üblicherweise um Weihnachten herum auftrat.
Das Gegen-Phänomen nannten Wissenschaftler in der Folge La Niña. Zwischen diesen beiden Klimaphänomenen gibt es eine neutrale Phase.
Welche Auswirkungen hat El Niño?
El Niño beginnt mit einer Abschwächung der Passatwinde, die im tropischen Pazifik von Ost nach West wehen. Diese Winde drücken üblicherweise warme Meeresströme in den Westen des Pazifiks an den asiatischen Küsten und halten sie dort, während kühleres Wasser vor den südamerikanischen Küsten bleibt.
Die Abschwächung der Passatwinde führt dazu, dass das warme Wasser nicht mehr an der asiatischen Küste bleibt, sondern auf Äquator-Höhe den Osten des Pazifiks erreicht. Die Erwärmung der Wasseroberfläche verändert dann das Wetter und die Winde über dem Pazifik und wirkt sich in einem Domino-Effekt auf die Temperaturen und Niederschläge auch in anderen Erdregionen aus.
Deswegen gehören die Jahre mit El Niño zu den heißesten Phasen auf der Erde. "Wenn sonst alles gleich ist, führt eine El-Niño-Episode tendenziell zu einem zeitweisen Anstieg der mittleren globalen Temperatur in Höhe von 0,1 bis 0,2 Grad", erläutert der NOAA-Meteorologe Nat Johnson.
Ein El Niño ereignet sich alle zwei bis sieben Jahre. In Südostasien, Australien, im Süden Afrikas und im Norden Brasiliens führt er in der Regel zu mehr Trockenheit, am Horn von Afrika, im Süden der USA, in Peru und Ecuador werden hingegen stärkere Niederschläge registriert.
Stehen neue Temperaturrekorde bevor?
Die bislang letzte El-Niño-Phase gab es in den Jahren 2023/2024. Sie trug dazu bei, dass 2024 global das heißeste und 2023 das zweitheißeste Jahr war, die jemals gemessen wurden. Der Leiter des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, Carlo Buontempo, hatte im Januar gesagt, wenn El Niño dieses Jahr zurückkehre, könnte 2026 ein "neues Rekordjahr" werden.
Nach Einschätzung des Klimatologen Tido Semmler vom irischen Wetterdienst dürften die Auswirkungen des Klimaphänomens 2027 noch stärker sein. "Die Erdatmosphäre braucht Zeit, um auf El Niño zu reagieren", erklärt er. Daher gebe es für 2027 "ein erhöhtes Risiko, ein Jahr mit Rekordhitze zu werden, wenn sich El Niño in der zweiten Jahreshälfte von 2026 entwickelt".
Wie werden die Auswirkungen von El Niño berechnet?
Im Februar führte die NOAA eine neue Methode zur Überwachung der El-Niño-Auswirkungen ein. Bei dem alten Ozeanischen-Niño-Index (ONI) wurde die Dreimonatsdurchschnittstemperatur einer Pazifikzone mit dem 30-jährigen Temperaturdurchschnitt verglichen. Aber da sich die Meere schnell erhitzen, ist dieser 30-Jahres-Durchschnitt immer weniger ein guter Vergleichswert.
Bei der neuen Methode, dem Relativen Ozeanischen-Niño-Index (RONI), wird die Temperaturanomalie des Gebietes mit den übrigen Tropen verglichen. Dies sei eine "klarere und zuverlässigere" Methode, die Auswirkungen von El Niño und La Niña in Echtzeit zu verfolgen, erklärte das US-Forschungsinstitut.