Panorama

Protest mündet in Krawalle Hunderte Gelbwesten in Paris festgenommen

2020-09-12T121246Z_1710812772_RC2ZWI9SD1B3_RTRMADP_3_FRANCE-PROTESTS.JPG

78 Personen befinden sich noch immer in Polizeigewahrsam.

(Foto: REUTERS)

Bereits seit zwei Jahren geht die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich auf die Straße. Nach längerer Pause demonstriert die Gruppe wieder in Paris, es kommt zu Ausschreitungen. Ein Initiator hatte im Vorfeld zu "vollständigem zivilen Ungehorsam" aufgerufen.

Bei den ersten Protesten der Gelbwesten-Bewegung in Paris nach der Sommerpause ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Etwa 200 Menschen seien dabei im Nordwesten der französischen Hauptstadt festgenommen worden, berichtete der Sender FranceInfo. 78 von ihnen befanden sich demnach auch noch am Nachmittag zu Befragungen in Polizeigewahrsam, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte.

*Datenschutz

Etwa 1000 Menschen hatten sich FranceInfo zufolge am Platz Wagram eingefunden, wo es zu den Ausschreitungen kam. Die Polizei postete auf Twitter konfiszierte Gegenstände wie Messer, Handschuhe, Masken und einen Bogen zum Abschießen von Pfeilen. Die Proteste richteten sich laut diverser Facebook-Einträge der Bewegung unter anderem gegen Reformen der französischen Regierung um Präsident Emmanuel Macron, aber auch gegen den Kapitalismus. Weitere Proteste gab es an der Alten Börse in der Pariser Innenstadt.

Eine der Führungsfiguren der Bewegung, Jérôme Rodrigues, hatte zuvor zu "vollständigem zivilen Ungehorsam" aufgerufen. Bei einer Kundgebung in Paris wurde der Kabarettist Jean-Marie Bigard ausgebuht und als "Kollaborateur" beschimpft, nachdem er sich vergangene Woche von Rodrigues distanziert hatte. Dieser hatte zuvor Polizisten als "Nazi-Bande" bezeichnet.

Toulouse verbietet Demonstration

Demonstrationen an der Prachtmeile Champs-Élysées im Zentrum der französischen Hauptstadt waren zuvor verboten worden, lokale Medien berichteten von starker Polizeipräsenz vor Ort. In der südfranzösischen Stadt Toulouse untersagten die Behörden eine geplante Demonstration der Bewegung. Das Coronavirus breite sich in der Region schnell aus und Abstands- sowie Hygieneregeln könnten bei Versammlungen nicht eingehalten werden, hieß es zur Begründung.

Die Gelbwesten hatten 2018 ihre Proteste als regionale Bewegung gegen die Erhöhung der Benzinpreise begonnen. Schnell weiteten sich ihre Forderungen auf Themen wie hohe Lebenshaltungskosten oder direkte Demokratie aus und brachten große Menschenmengen auf die Straße. Zuletzt mobilisierten sie nicht mehr so viele Anhänger.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP