Panorama

Bizarre Zeremonien am Todestag Hunderte Spanier huldigen Diktator Franco

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Zahlreiche rechte Spanier trauern dem einstigen Diktator Franco auch 43 Jahre nach dessen Tod noch nach.

(Foto: REUTERS)

Für die einen ist es Grusel, für die anderen ein festliches Ritual: In Spanien versammeln sich alljährlich Hunderte Menschen, um des Ex-Diktators Franco zu gedenken. Auch ein Enkel des Generalísimo ist unter den Pilgern und agitiert im Sinne des Großvaters.

Mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Tod hat Diktator Francisco Franco in Spanien noch Zugkraft. Hunderte Sympathisanten Francos begingen den 43. Todestag des Gewaltherrschers mit Messen in verschiedenen Städten des Landes sowie mit einem Besuch des Grabs des Generalísimo im sogenannten Tal der Gefallenen 60 Kilometer nordwestlich von Madrid.

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Luis Alfonso de Borbón, Enkel des einstigen spanischen Diktators Francisco Franco, pilgerte zum Mausoleum seines Großvaters.

(Foto: REUTERS)

Im riesigen Mausoleum mit dem 155 Meter hohen Granitkreuz versammelten sich rund 150 Menschen am Grab des Diktators. Sie beteten und legten dort Blumen nieder. Auch hier, in der 1959 von Franco eingeweihten Basilika, wurde eine Gedenkmesse gehalten. Da der Ort eine beliebte Pilgerstätte für Franco-Anhänger und Rechtsextreme ist, hat die seit Juni amtierende sozialistische Regierung eine Umbettung der Leiche angekündigt. Das Vorhaben wurde derweil nicht nur von der Familie und von Anhängern des Diktators als "verfassungswidrig" kritisiert. Auch Vertreter gemäßigter konservativer Parteien sprachen sich gegen diese Pläne aus.

Franco-Enkel Luis Alfonso de Borbón postete auf Instagram: "Du bist vor 43 Jahren von uns gegangen, bist aber heute präsenter denn je. Deine Feinde und die Vaterlandsverräter vergessen Dich nicht. Und sie hören nicht auf, Deinen Namen zu nennen."

Legionshymne in Kirche

Dutzende vor allem ältere Franco-Anhänger versammelten sich unterdessen in Madrid nachmittags zu einer Gedenkmesse in der Kirche Santiago y San Juan Bautista im Zentrum der Hauptstadt. Der Priester, der die Messe zelebrierte, würdigte den Diktator und sagte, die Geschichte sei für Spanien "ein Geschenk des Himmels". Franco dürfe auch von der Politik nicht vergessen werden.

An der Messe nahmen unter anderem auch zahlreiche ehemalige Angehörige der spanischen Legion, die der Putschanführer Franco nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1936 gegen die Truppen und Anhänger der zweiten Spanischen Republik an die Front geschickt hatte. Die "Legionarios" wurden damals zum Teil von der deutschen Legion Condor unterstützt und ermöglichten die Errichtung der jahrzehntelangen rechtsgerichteten Gewaltherrschaft, die erst nach dem Tod Francos endete.

In der Kirche wurde lautstark unter anderem die Legionshymne "Novio de la Muerte" (Der Bräutigam des Todes) gesungen. Die Teilnehmer der Zeremonie wurden von einem Sprecher der Legionsveteranen aufgerufen, den "draußen wartenden Geiern der Medien" keine Interviews zu geben und auch keine Symbole der Diktatur offen zu zeigen. Gedenkmessen gab es unter anderem auch in Sevilla, Valencia, Córdoba und auf Gran Canaria. In ganz Spanien sollten diese Woche knapp 20 Messen zu Ehren des Diktators stattfinden.

Franco wurde drei Tage nach seinem Tod am 23. November 1975 im Tal der Gefallenen bestattet. Insgesamt liegen im Mausoleum in der Sierra de Guadarrama die Überreste von knapp 40.000 Toten beider Bürgerkriegsparteien. Der Ort wird jährlich von rund 400.000 Menschen besucht, darunter von vielen Franco-Anhängern. Im Rahmen des 2007 verabschiedeten "Gesetzes des historischen Andenkens" wollen die Sozialisten das Tal zu einem Ort der Versöhnung machen.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa