Panorama

Minikameras und DoppelgängerImmer mehr Menschen betrügen bei Führerscheinprüfung

30.03.2026, 12:09 Uhr
00:00 / 02:53
ILLUSTRATION-16-04-2025-Berlin-Eine-Frau-beantwortet-in-Berlin-eine-Frage-der-theoretischen-Pruefung-des-Fuehrerscheins-Gestellte-Szene-Neben-ihr-liegt-ein-Zettel-der-auf-die-Videoueberwachung-und-das-Nutzungsverbot-von-Smartphones-hinweist
"Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt", warnte der Tüv-Verband. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Mit kleinen Kameras, Kopfhörern oder einem Doppelgänger: Die Betrugsfälle bei der theoretischen Fahrprüfung nehmen zu. Gut jeder zweite Versuch sei professionell organisiert, sagt der Tüv-Verband.

Versteckte Ohrhörer, Minikameras oder sogar Doppelgänger: Bei der Führerscheinprüfung wird immer raffinierter betrogen. 4239 Täuschungsversuche sind im vergangenen Jahr bei theoretischen Prüfungen registriert worden. Das geht aus den Daten des Tüv-Verbands hervor. Damit bleibt der Prüfungsbetrug nach starken Zuwächsen in den Vorjahren ein Problem (2023: 3759 Fälle, 2024: 4198).

"Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Prüfungsbetrug nach einem starken Anstieg in den Vorjahren auf einem hohen Niveau stabilisiert", sagte Fani Zaneta vom Tüv-Verband. Zugleich gebe es vermutlich ein großes Dunkelfeld, da nur ein Teil der Täuschungen entdeckt werde.

Hightech trifft auf alte Schule

Auffällig ist der Einsatz technischer Hilfsmittel: In mehr als jedem dritten Fall (36 Prozent) kamen etwa Mini-Kameras oder kaum sichtbare Ohrhörer zum Einsatz. Auch Doppelgänger sind keine Seltenheit: In weiteren Fällen legten sogenannte Stellvertreter die Prüfung ab. Insgesamt sei inzwischen gut jeder zweite Betrugsversuch (52 Prozent) professionell organisiert, so der Tüv-Verband.

Oftmals seien weitere Personen involviert, die den Prüfling "technisch unterstützen, aus der Ferne Lösungen übermitteln oder sich als Fahrschüler ausgeben", so Zaneta. Dafür sei auch entsprechendes technisches Know-how notwendig, um bestimmte Betrugsmaschen durchführen zu können.

In 44 Prozent der Fälle wurde den Angaben zufolge mit dem klassischen Spickzettel geschummelt. Besonders häufig betroffen ist vor allem die Pkw-Prüfung (4052 Fälle).

Berlin verzeichnet im Bundesländervergleich den stärksten Anstieg - ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent. In kleineren Bundesländern lagen die Zahlen deutlich niedriger.

"Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt", warnte der Tüv-Verband. Wer sich den Führerschein erschleiche, dem fehlten wichtige Kenntnisse im Straßenverkehr: "Wer bei der theoretischen Fahrprüfung täuscht, bringt sich und andere in Gefahr." Der Verband fordert strengere Maßnahmen gegen organisierten Betrug.

Quelle: ntv.de, lno/dpa

Organisierte KriminalitätKriminalitätTÜVFührerschein