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(K)eine milde Gabe Immer weniger Deutsche spenden

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Immer weniger Deutsche spenden an wohltätige Organisationen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Die Deutschen spenden im Jahr über fünf Milliarden Euro für wohltätige Zwecke. Doch die Zahl derer, die Geld für einen guten Zweck hergeben, sinkt - allein im vergangenen Jahr um 1,1 Millionen. Besonders eine Altersgruppe zieht sich massiv zurück.

Immer weniger Deutsche raffen sich dazu auf, zu spenden. Das geht aus dem Bericht "Bilanz des Helfens 2018" des Deutschen Spendenrates und des Marktforschungsinstituts GfK hervor. Rund 21 Millionen Deutsche haben demnach im vergangenen Jahr an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet, also etwa 1,1 Millionen Menschen weniger als 2016. Die Spendenbereitschaft setze somit zum zweiten Mal in Folge ihren negativen Trend fort.

Zu Beginn der Erfassung im Jahr 2005 spendeten rund 51 Prozent der Deutschen, mittlerweile ist es nicht mal mehr jeder Dritte. Immerhin: Die Summe der Durchschnittsspenden ist konstant geblieben. Mit Spenden von insgesamt 5,2 Milliarden Euro erreichten die Deutschen das drittbeste Ergebnis. Nach wie vor die größte Gruppe unter den Spendern ist die Generation 70 plus. 2017 war mehr als jeder zweite Geldgeber 70 oder älter. Von ihnen kamen rund 40 Prozent der Gesamteinnahmen.

Eine Altersgruppe zog sich der Erhebung zufolge allerdings massiv zurück. Die sogenannte Generation X (30- bis 49 Jährige) hat im vergangenen Jahr nur noch die halb so viel gespendet wie 2016. "Als möglichen Grund könnte die Angst vor Altersarmut herangezogen werden", erklärte Daniele Geue, Geschäftsführerin des Deutschen Spenderats, bei der Vorstellung der Bilanz. Dies sei aber nur Spekulation. Statistische Erhebungen gäbe es dafür noch nicht.

Ist das klassisches Spenden veraltet?

Manuela Roßbach ruft die wohltätigen Organisationen in die Pflicht. "Sie sollten viel stärker auf die Wünsche des Spenders eingehen. Man muss Vertrauen in die Organisation haben können", sagt die Vorstandschefin Aktion Deutschland Hilft. Geue glaubt, dass das fehlende Vertrauen erklären könnte, warum das Prinzip des Crowdfunding so beliebt sei. Im Gegensatz zu karitativen Organisationen unterstütze das Crowdfunding spezifische Projekte. Die Spender wüssten ganz genau, wohin ihr Geld fließt.

Projekt-bezogenes Crowdfunding ist besonders bei den 30- bis 49-Jährigen sehr beliebt, wie die Erhebung zeigt. Zwar berücksichtige die diesjährige Bilanz die Zahlungen für Crowdfunding noch nicht, dennoch beobachte man, dass sich das Spendenverhalten besonders in der Generation X ändere, so Geue. Rund ein Viertel der Befragten dieser Altersgruppe gab an, diese Methode zu kennen und finanziell unterstützt zu haben.

Geue verweist zudem auf neue Methoden des Spendens. Dazu zähle beispielsweise der Verzicht, Pfandflaschen in den Müll zu schmeißen und sie stattdessen für Obdachlose neben dem Mülleimer stehen zu lassen. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, die Menschen wieder zum Spenden zu motivieren.

Quelle: n-tv.de, ftö

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