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Von 1888 bis 1891 wurde die Kirche St. Lambertus gebaut,  2013 mit einem Gottesdienst entwidmet.
Von 1888 bis 1891 wurde die Kirche St. Lambertus gebaut, 2013 mit einem Gottesdienst entwidmet.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 09. Januar 2018

Braunkohle statt beten: Immerather Dom wird abgerissen

Aktivisten ketten sich an Baggerschaufeln, Anwohner legen Blumen und Kränze nieder, aber am Ende nützt das alles nichts: Südlich von Mönchengladbach wird eine ehemalige Kirche abgerissen. Schon bald soll hier nicht mehr gebetet, sondern Braunkohle abgebaut werden.

Es ist kurz nach 14 Uhr als sich die erste Baggerschaufel in das Dach des Chorraums des Immerather Doms gräbt - unter Rufen und Pfeifen von Anwohnern und Aktivisten. Trotz zahlreicher Proteste ist am Montag im nordrhein-westfälischen Immerath mit dem Abriss einer neoromanischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert begonnen worden. Der Grund: Das Gotteshaus befindet sich wie das ganze Dorf auf dem Gebiet des geplanten Braunkohletagebaus Garzweiler der RWE südlich von Mönchengladbach.

Aktivisten gelang es, in die ehemalige Kirche einzudringen.
Aktivisten gelang es, in die ehemalige Kirche einzudringen.(Foto: dpa)

Große Teile des Dorfes waren deshalb schon abgerissen und die Bewohner in den neu aufgebauten Stadtteil Immerath (neu) umgesiedelt worden. Nun musste auch die katholische Pfarrkirche St. Lambertus - wegen ihrer beachtlichen Größe auch Dom von Immerath genannt - dran glauben. Doch ohne Widerstand gaben Aktivisten die Basilika nicht auf. Greenpeace-Aktivisten kletterten auf das Portal der Kirche und entfalteten ein Plakat mit der Aufschrift "Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen", andere ketteten sich an die Schaufeln der Abrissbagger.

Greenpeace forderte mit der Aktion einen schrittweisen sozialverträglichen Kohleausstieg bis 2030 und einen Stopp der Abrissarbeiten, bis die kommende Bundesregierung über die künftige deutsche Energiepolitik entschieden hat. Nach Angaben der "Rheinpfalz" verletzten sich zwei Demonstranten und zwei Mitarbeiter von RWE bei den Protesten leicht. Letztendlich konnte der Widerstand den Abriss der Kirche aber nur verzögern, nicht verhindern: Statt um neun Uhr begannen die Abrissbagger um 14 Uhr mit ihrer Arbeit.

Die Gemeindemitglieder hatten sich schon im Oktober 2013 in einem emotionalen Entwidmungsgottesdienst von ihrer Kirche verabschiedet. In Immerath (neu) steht ihnen keine neue Kirche zur Verfügung - stattdessen wurde hier die Kapelle St. Lambertus errichtet.

Quelle: n-tv.de