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Nach Tod von Festivalbesucher In Nantes eskaliert der Protest

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Einige Demonstranten errichteten Barrikaden, Fensterscheiben gingen zu Bruch.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Über einen Monat lang fragt sich ganz Nantes: "Wo ist Steve?" Als die Leiche des 24-Jährigen aus der Loire geborgen wird, wird die Stimmung aggressiv. Viele Demonstranten vermuten, dass die Polizei den jungen Mann in den Tod getrieben hat.

Nach dem Tod eines jungen Mannes im Zuge eines Polizeieinsatzes während eines Musikfestivals hat es in der westfranzösischen Stadt Nantes gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei gegeben. Hunderte Menschen marschierten zur Polizeizentrale von Nantes, die Polizei gab ihre Zahl mit etwa 1700 an. Einige Demonstranten errichteten Barrikaden, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Nachdem auch Wurfgeschosse durch die Luft flogen und Feuer gelegt wurde, setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein.

42 Menschen seien wegen Gewalttaten und des Tragens einer Waffe festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Ein Polizist sowie ein Demonstrant wurden demnach verletzt, jedoch nicht schwer.

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Mit Plakaten und rot gefärbtem Brunnenwasser machen Aktivisten auf den Fall aufmerksam.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Die Stimmung in Nantes ist wegen des Todes des 24-jährigen Steve Maia Caniço angespannt. Seine Leiche war am Montag in der Nähe des Ortes entdeckt worden, an dem er während der "Fête de la musique" in der Nacht zum 22. Juni zum letzten Mal gesehen worden war. Bei dem international stattfindenden Musikfestival am längsten Tag des Jahres treten Musiker und DJs kostenlos in der Öffentlichkeit auf. In Nantes hatte die Polizei am frühen Morgen Tränengas eingesetzt, um die Besucher einer Technoparty auseinanderzutreiben. Einige von ihnen fielen in die Loire.

Ob Caniço auf der Flucht vor der Polizei ertrank, ist unklar. Nach Angaben seiner Freunde konnte er nicht schwimmen. Laut internen Polizeiermittlungen gibt es "keinerlei Verbindung" zwischen dem Einsatz und dem Tod des jungen Mannes. Ein Ergebnis, das viele Franzosen nicht recht glauben mögen.

Schweigeminute in Paris

Die Demonstranten in Nantes gedachten am Samstag des jungen Mannes. Sie warfen Blumen in den Fluss und hielten Schilder mit Slogans wie "Wer hat Steve getötet?" und "Wo bleibt die Gerechtigkeit für Steve". Seit der 24-Jährige vermisst gemeldet wurde, hatten in ganz Nantes Plakate mit der Aufschrift "Wo ist Steve?" gehangen.

In mehreren anderen französischen Städten fanden am Samstag Solidaritätskundgebungen statt. Einige wurden von der Protestbewegung der Gelbwesten organisiert. In Paris versammelten sich etwa hundert Menschen zu einer Schweigeminute. Sie legten in Gedenken an Steve weiße Rosen nieder.

Quelle: n-tv.de, ino/AFP

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