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Gleichheit für alle beim PilgernIndien kippt Tempelverbot für Frauen

28.09.2018, 16:20 Uhr
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Ab sofort muss der hinduistische Sabarimala-Tempel im Süden Indiens seine Pforten auch für Frauen öffnen. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Oberste Gerichtshof in Indien räumt mit frauenfeindlichen Gesetzen auf. Erst kürzlich schafften Richter die Strafen für Homosexualität und Ehebruch ab, nun darf ein Hindu-Tempel Frauen nicht länger ausschließen.

Ein bedeutender Hindu-Tempel in Indien darf Frauen nicht mehr den Zutritt verwehren. Das entschied der Oberste Gerichtshof in Neu Delhi. Frauen im "Menstruationsalter" von etwa 10 bis 50 Jahren dürfen seit Jahrhunderten den Sabarimala-Tempel nicht betreten. Der Tempel ist ein Pilgerziel auf einem Berg in einem Tigerreservat im südindischen Bundesstaat Kerala. Mit dem Tempelverbot sollte die Keuschheit der Tempel-Gottheit Ayappa geschützt werden.

Die Verbannung von Frauen aus dem Sabarimala-Tempel verletze den Gleichheitsgrundsatz, argumentierte die Mehrheit der fünf Richter. Die Praxis falle auch nicht unter Religionsfreiheit, da die Ayappa-Verehrer keine eigene Konfession darstellten. Der Hinduismus umfasst viele verschiedene Traditionen mit je eigenen Gottheiten. Weil menstruierende Frauen im Hinduismus als unrein gelten, werden sie während ihrer Periode aus vielen Tempeln ausgeschlossen.

Kurz vor der Pensionierung des Obersten Richters Dipak Misra fällte das Gericht eine Reihe von bedeutsamen Urteilen und kassierte einige Gesetze aus der britischen Kolonialzeit. So hatte es Anfang September ein Gesetz aus dem Jahr 1862 für verfassungswidrig erklärt, das Homosexualität unter Strafe stellte. Misra zitierte bei der Urteilsverkündung ein Gedicht Goethes: "Ich bin, wie ich bin / So nimm mich nur hin."

Erst am Donnerstag kippten Misra und vier seiner Kollegen ein Ehebruch-Gesetz, das ebenfalls aus der Kolonialzeit stammte. Danach war der Geschlechtsverkehr eines Mannes mit einer verheirateten Frau ohne das Einverständnis des Ehemannes strafbar. Dies verletze die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, argumentierte der Oberste Gerichtshof in Neu Delhi.

Quelle: dpa

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