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Fleisch, Eier, Sex meiden Indische Schwangere sollen sich mäßigen

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Die Broschüre stammt vom Zentralrat für die Forschung in Yoga und Naturheilkunde.

(Foto: AP)

Indien gehört zu den Ländern mit der höchsten Müttersterblichkeit der Welt. In einer Broschüre gibt die Regierung den Frauen nun Ratschläge für die Zeit der Schwangerschaft. Doch die sind absurd und gefährlich.

Die indische Regierung hat eine neue Broschüre veröffentlicht, in der sich mit Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen an werdende Mütter wendet. Kurz zusammengefasst lauten diese: Schwangere Frauen sollten weder Fleisch noch Eier essen und bereits lustvolle Gedanken, aber natürlich die Ausübung von Sex in jedem Fall vermeiden.

Einheimische Ärzte reagierten empört auf diese Ratschläge. Sie seien nicht nur widersinnig, sondern vor allem gefährlich für die Frauen. Indien gehört zu den Ländern mit der höchsten Müttersterblichkeit der Welt. 2015 starben auf 100.000 Schwangerschaften 174 Mütter. In Deutschland sind es 3. Viele indische Schwangere sterben wegen Eisenmangels.

Der britische "Guardian" zitiert einen Gynäkologen aus der Stadt Pune: "Die Regierung gibt unwissenschaftliche und irrationale Ratschläge, anstatt dafür zu sorgen, dass arme schwangere Frauen nahrhaftes und proteinreichen Essen bekommen." Man ignoriere internationale Forschungsergebnisse, denen zufolge Frauen proteinreiches Fleisch essen sollten und es vollkommen unbedenklich sei, während der Schwangerschaft Sex zu haben.

In indischen Haushalten sind Frauen oft die letzten, die essen. Außerdem erhalten sie häufig eine schlechtere medizinische Versorgung als männliche Familienmitglieder. Unterernährte Frauen sind häufiger in der Gefahr untergewichtige Babys zu bekommen, die dann wiederum gefährdet sind, nicht ausreichend zu wachsen.

Experten sehen die Broschüre als weiteres Zeichen, dass die hindu-nationalistische Regierung von Premierminister Narendra Modi auf religiösen Vegetarismus setzt. In früheren Schritten hatte die Regierung bereits erklärt, man befürworte die Vermeidung von Rindfleisch. Außerdem wurden der Transport und die Schlachtung von Rindern, die von den Hindus als heilige angesehen werden, streng begrenzt.

Quelle: n-tv.de, sba

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