Panorama

Auch Deutschland betroffen Indonesien schickt Giftplastik zurück

In einer Wertstoffaufbereitungs- und Sortieranlage wird der Müll vorsortiert. Foto: Martin Schutt/dpa/Archiv

Wertstoffaufbereitung findet in Deutschland seltener statt, als wohl viele denken. Große Mengen Plastikmüll werden einfach verbrannt oder ins Ausland verschifft.

(Foto: Martin Schutt/ZB/dpa)

Hunderttausende Tonnen Plastikmüll verschiffen Industrieländer wie die USA, Deutschland und Japan nach Fernost. In Indonesien kommt daran Kritik auf. Die Regierung schickt viele Container wegen Giftstoffbelastung zurück.

Indonesien will Plastikmüll an mehrere Industrieländer zurückschicken, darunter auch Deutschland. Auf der Insel Batam südlich von Singapur warteten derzeit 49 Container auf eine Rücksendung in die USA, nach Australien, Frankreich und Deutschland sowie nach Hongkong, sagte ein Sprecher der Zollbehörde. In dem Abfall hätten sich unter anderem giftige Stoffe befunden, hieß es zur Begründung. Erst im Juni hatte die Regierung fünf Container mit Müll zurück in die USA geschickt, nachdem unerlaubte Materialien darin gefunden worden waren.

Seit China Anfang 2018 die Importe von Kunststoffabfällen zum Recycling stark eingeschränkt hat, landet viel Plastikmüll in anderen asiatischen Ländern wie Indonesien oder Malaysia. Allein die Einfuhr von Plastikabfällen nach Malaysia hat sich seit 2016 verdreifacht. Umweltschützer in Indonesien dringen auf strengere Einfuhrregeln für Plastikmüll, der ihrer Ansicht nach der Umwelt Schaden zufügt. Im Jahr 2018 hatte das Land nach Angaben des Handelsministeriums 320.400 Tonnen Kunststoffabfälle eingeführt, im Vergleich zu 128.800 Tonnen im Vorjahr.

Tatsächliche Recyclingquote in Deutschland gering

Gerade einmal knapp 16 Prozent des Plastikmülls werden in Deutschland für neue Produkte wiederverwendet. Der Rest landet in Verbrennungsöfen oder wird ins Ausland verschifft, wie aus dem "Plastikatlas" hervorgeht, den der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung Anfang Juni vorstellten.

Zwar seien die offiziellen Recyclingquoten in Deutschland relativ hoch, sie lagen 2016 bei 45 Prozent. Diese täuschten jedoch darüber hinweg, dass sie sich lediglich auf die Anlieferung bei einem Recyclingunternehmen, nicht aber auf den wirklich recycelten "Output" bezögen. Werde hingegen die Gesamtmenge der anfallenden gebrauchten Kunststoffprodukte als Grundlage betrachtet, würden in Deutschland nur etwa 15,6 Prozent zu Rezyclat verarbeitet.

Der weltweit drittgrößte Exporteur von Plastikmüll ist - nach den USA und Japan - die Bundesrepublik. Umweltschützer kritisieren Deutschland dafür. Zuletzt beklagte die Organisation WWF, dass die Bundesrepublik im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Tonnen Plastikmüll in die Türkei ausgeführt habe.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/AFP

Mehr zum Thema