Panorama

Wasserproben geben neue Hinweise Ist Quecksilber der Grund für Fischsterben in Oder?

Noch ist nicht geklärt, was der Grund für das massenhafte Fischsterben in der Oder ist. Einem Bericht zufolge mehren sich aber die Anzeichen, dass hochgiftige Stoffe für die Umweltkatastrophe verantwortlich sind. Schon bald werden neue Laborergebnisse erwartet.

Im Zusammenhang mit dem massiven Fischsterben in der Oder verdichten sich die Hinweise auf hochgiftige Stoffe im Wasser des Flusses. Einem Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) zufolge stellten Mitarbeiter des Landeslabors Berlin-Brandenburg in Wasserproben Quecksilber in hoher Konzentration fest. Indes weitete sich das Fischsterben weiter nach Norden aus. Die brandenburgischen Landkreise Uckermark und Barnim warnten vor Kontakt mit dem Wasser der Oder, solange die Ursachen unklar seien.

Dem RBB-Bericht zufolge ist noch nicht geklärt, ob das Quecksilber die Ursache für das Fischsterben ist. Allerdings sollen die gemessenen Werte der Substanz so hoch gewesen sein, dass das Testergebnis nicht darstellbar sei und die Testung wiederholt werden müsse. Das brandenburgische Umweltministerium teilte unter Berufung auf erste Labor-Untersuchungen mit, es zeichne sich ab, dass ein "noch unbekannter, hochtoxischer Stoff" die Oder durchlaufe.

In den vergangenen Tagen waren entlang des Grenzflusses auf deutscher Seite mehrere Tonnen toter Fische aus dem Wasser geholt worden. Fischer sammelten massenweise Kadaver entlang des Ufers ein. Betroffen sind mehrere Regionen in Brandenburg mit Oder-Abschnitten - von der Stadt Frankfurt (Oder) bis in den Kreis Uckermark. Vorwürfe gibt es gegen Verantwortliche in Polen, wo es offenbar einen Vorfall in einer Chemieanlage gegeben hatte. Umweltverbände sprachen von einer ökologischen Katastrophe.

Ergebnisse aus Polen lassen auf sich warten

Die These, dass zu wenig Sauerstoff die Ursache für das Fischsterben sein könnte, hat die Kreisverwaltung im Kreis Märkisch-Oderland nach Angaben des Leiters der Umweltverwaltung von Anfang an verworfen. "Mittlerweile wissen wir das auch", sagte Gregor Beyer im RBB-Inforadio. "Wir haben, völlig ungewöhnlich, sogar mehr Sauerstoff in der Oder."

Polen wiederum wird seine Untersuchungsergebnisse in der Sache frühestens am Sonntag vorlegen können. Bislang habe das Staatliche Forschungsinstitut in Pulawy noch keine Fische erhalten, sagte der Leiter Krzysztof Niemczuk der Nachrichtenagentur PAP. "Wir warten noch immer und gehen davon aus, dass uns die erste Partie von Fischen für die Untersuchungen heute Abend erreicht." Die Fische sollen auf Metalle, Pestizide und andere giftige Stoffe untersucht werden. Dazu Niemczuk: "Es gibt so viele Substanzen, die das Fischsterben verursacht haben könnten, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen können, was die Ursache sein könnte."

Menschen sollen Kontakt mit Oder-Wasser vermeiden

An diesem Freitag werden weitere Labor-Ergebnisse erwartet: Das brandenburgische Landesumweltamt lässt Wasserproben auswerten, aber auch tote Fische werden untersucht. Die Bevölkerung wird weiter aufgerufen, den Kontakt mit dem Wasser aus der Oder zu meiden.

Der brandenburgische Umweltminister Axel Vogel äußerte Kritik an fehlenden Informationen der polnischen Behörden und bat um Aufklärung. "Man muss festhalten, dass die Meldeketten zwischen der polnischen und der deutschen Seite in diesem Fall nicht funktioniert haben", sagte er. Das Infrastrukturministerium in Warschau hat mittlerweile bestätigt, dass polnische Behörden bereits Ende Juli auf Hinweise auf ein Fischsterben in der Oder reagierten. In den Tagen vom 26. bis 28. Juli habe es die ersten entsprechenden Signale gegeben, daraufhin seien Wasserproben entnommen und tote Fische geborgen worden, ergibt sich aus einem Kalender der polnischen Wasserbehörde, den das Ministerium per Twitter veröffentlichte.

In den Tagen ab dem 28. Juli hätten die Proben auf einen ungewöhnlich niedrigen Sauerstoffgehalt des Wassers hingewiesen. Am 4. August habe das Umweltschutzamt in Wroclaw (Breslau) in Proben, die bei dem Ort Olawa in der Schleuse von Lipki entnommen wurden, eine toxische Substanz festgestellt. Am 9. August sei bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet worden.

Das Fischsterben in der Oder ist nach Angaben der polnischen Umweltschutzbehörde wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst worden. Mit Drohnenüberflügen sollen potenzielle Verschmutzungsquellen aufgespürt werden. Man untersuche, um welche Substanz es sich handele und wer sie wo in die Oder eingeleitet habe, sagte die stellvertretende Leiterin der Behörde, Magda Gosk.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP/dpa

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