Panorama

Erste Städte machen es vor Ist eine Maskenpflicht im Freien sinnvoll?

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In Teilen der Münchner Innenstadt gilt bereits eine Maskenpflicht im Freien.

(Foto: imago images/Sammy Minkoff)

In einigen deutschen Großstädten gilt bereits eine Maskenpflicht im Freien - bei einigen europäischen Nachbarn ist das bereits landesweit der Fall. Doch es gibt auch Kritik an der Maßnahme, zuletzt von der Ärztekammer in Hessen. Ein Virologe gibt ntv eine Einschätzung.

Nicht nur in geschlossenen Räumen muss in manchen Regionen Deutschlands mittlerweile eine Maske getragen werden: In München etwa gilt seit dem 14. Oktober in Teilen der Innenstadt eine generelle Maskenpflicht auch im Freien - etwa in der Altstadt-Fußgängerzone. Ab kommenden Montag muss in Frankfurt in der gesamten Innenstadt eine Maske getragen werden, bislang galt dies nur für Einkaufsstraßen. In Hamburg gilt das auf öffentlichen Plätzen mit starkem Menschenandrang und auf Demonstrationen. Andere Städte und Landkreise haben ähnliche Regelungen.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch auf eine Maskenpflicht geeinigt, "wo Menschen dichter und/oder länger zusammenkommen". Allerdings soll diese "ergänzende Maskenpflicht" erst ab einem Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen greifen. Aber wie sinnvoll ist so eine Maßnahme eigentlich?

In Italien gilt sogar eine landesweite Maskenpflicht im Freien, auch die Slowakei und Polen haben ähnliche Regelungen. Sollte auch Deutschland mit einer bundesweiten Maskenpflicht in der Öffentlichkeit nachziehen? Die Sache ist umstritten: Eine Maskenpflicht im Freien ist nach Einschätzung der Landesärztekammer Hessen keine sinnvolle Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Eine Studie aus Kanada fand jedoch heraus, dass in jenen Regionen, in denen eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit eingeführt worden war, die Zahl der Neuinfektionen pro Woche um ein Viertel zurückging.

"Nicht unmöglich, sich im Freien anzustecken"

Bisher galten vor allem geschlossene Räume als Risiko-Orte für eine Ansteckung - neben der AHA-Formel mahnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung daher auch, die "Drei G" zu meiden: geschlossene Räume, Gruppen und Gedränge sowie Gespräche. Aber: "Es ist nicht unmöglich, sich im Freien mit Sars-CoV-2 zu infizieren", sagt der Virologe Dr. Martin Stürmer zu ntv. "Aber es ist klar, je mehr infizierte Menschen sich im Freien aufhalten, umso eher ist es wahrscheinlich, dass ich doch mal in einen so nahen Kontakt komme, dass ich mich infizieren kann."

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Wenn es um eine Maskenpflicht im Freien geht, hält Stürmer eine differenzierte Regelung für angemessen: So reiche es aus, wenn man die Maßnahme auf Stellen im Freien beschränke, wo Menschen für längere Zeit enger beieinanderstehen, wie etwa auf Weihnachtsmärkten. "Es ist wichtig, meiner Meinung nach, dass man es mit der Maskenpflicht im Freien nicht übertreibt, um die Akzeptanz in der Bevölkerung dafür zu schaffen", so Stürmer. Schließlich sei ja lange behauptet worden, eine Maskenpflicht im Freien sei nicht notwendig.

Quelle: ntv.de, kst