Panorama

Mindestens 241 Tote nach Erdbeben Italien durchlebt erneut Trauma von L'Aquila

Nach dem Erdbeben nördlich von Rom scheinen die schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden: Die Helfer bergen immer mehr Leichen. Die Zahl der bestätigten Todesopfer steigt deutlich. Das Ausmaß der Katastrophe nähert sich dem Beben von 2009 an.

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben in Italien liegt nach Angaben des Zivilschutzes vom frühen Nachmittag bei 241. Damit korrigierte die Behörde ihre Angaben vom Morgen, als noch von 247 Toten die Rede war, leicht nach unten. Das Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 6 auf der Richterskala hatte in der Nacht zu Mittwoch mehrere Orte in Mittelitalien dem Erdboden gleichgemacht.

Die meisten Toten gab es in der Region Latium, gefolgt von den Marken. Mit weiteren Opfern ist zu rechnen. In den Gemeinden Amatrice und Accumoli stieg die Zahl von zunächst 190 auf 195 Tote.

Mehr als 200 Nachbeben gezählt

Eine Schätzung zur Zahl der Vermissten wollten die Behörden nicht abgeben. Die Bergungskräfte setzten in der Nacht ihre Arbeit in den zerstörten Dörfern unter Einsatz von Scheinwerfern fort. In Pescara del Tronto retteten sie am Abend ein zehnjähriges Mädchen, das etwa 17 Stunden lang unter dem Schutt gelegen hatte.

Unter den Todesopfern waren ein Säugling, ein 18 Monate altes Baby und zwei weitere kleine Kinder, die wie ihre Eltern in Accumoli ums Leben kamen. Zwei Jungen im Alter von vier und sieben Jahren überlebten das Erdbeben laut Medienberichten dank ihrer Großmutter, die sie unter einem Bett in Sicherheit brachte. Ihr Großvater wurde hingegen unter den Trümmern begraben.

Von den Erdstößen waren besonders die Bergorte Amatrice, Accumoli, Pescara del Tronto und Arquata del Tronto getroffen. Mehr als 200 Nachbeben wurden gezählt, viele beschädigte Häuser gelten als unsicher. Die Nachbeben waren teilweise noch in Rom zu spüren.

Totenzahl nähert sich der des Erdbebens von L'Aquila

Hunderte Menschen übernachteten in notdürftig aufgebauten Zeltunterkünften. Helfer richteten im Katastrophengebiet 2500 Schlafplätze in Zelten ein; in der Bergregion herrschten kühle Temperaturen. Die Polizei schickte Streifen los, um Plünderer davon abzuhalten, die beschädigten Häuser auszurauben.

"Heute ist die Zeit für Tränen und Gefühle", sagte Ministerpräsident Matteo Renzi beim Besuch der Erdbebenregion. Ab Donnerstag werde seine Regierung den Wiederaufbau in Angriff nehmen. An vielen öffentlichen Gebäuden Italiens wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Die Regierung hatte dies als Zeichen der Trauer und zum Gedenken an die Opfer des Erdbebens landesweit angeordnet.

Die betroffene Region liegt nur eine Autostunde nördlich von L'Aquila in den Abruzzen, wo 2009 mehr als 300 Menschen bei einem Erdbeben ums Leben kamen. Das Beben vom Mittwoch war das schlimmste in Italien seit der Katastrophe von L'Aquila. Damals waren vor allem die laxen Bauvorschriften kritisiert worden.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/AFP

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