Panorama

Dubiose Reise von Hotel-Personal Italiener fliegen zur Impfung nach München

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Das Hilton Hotel, in dem die Gruppenimpfung stattfand, befindet sich auf dem Gelände des Münchner Flughafens.

(Foto: imago/Stephan Görlich)

Ein italienisches Luxushotel schickt seine Mitarbeiter auf einen Kurztrip nach München - um sie dort gegen Covid-19 impfen zu lassen. Noch ein Bier, dann geht es am selben Tag wieder zurück nach Sardinien. Doch woher der Impfstoff stammt, ist unklar.

Mehr als 100 Mitarbeiter einer italienischen Ferienanlage sind nach Medienberichten für eine Corona-Impfung nach Bayern gereist. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, hatten sich die Teilnehmer der Reisegruppe im Mai während eines Tagestrips am Münchner Flughafen die Impfspritzen geben lassen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) prüft ein mögliches Fehlverhalten. Das bayerische Gesundheitsministerium teilte mit, dass auch die Landesärztekammer gebeten worden sei, mögliche berufsrechtliche Verstöße zu überprüfen. Ebenso habe das Ministerium die Staatsanwaltschaft informiert.

Ein Manager des Hotels sagte Italiens öffentlich-rechtlichem TV-Sender Rai 3, es sei wichtig gewesen, dass die Ferienanlage bereit sei, damit Gäste dort sicher Urlaub machen könnten. Man habe die erste "Etappe" genommen, da in Italien Impfungen für Mitarbeiter in Firmen noch nicht möglich gewesen seien. Das Hotel habe für diesen Service auch bezahlt.

Um 9 Uhr hin, um 17 Uhr zurück

Der Manager hat dem TV-Sender den Ablauf der Reise erläutert: "Um 9 Uhr haben wir den Flieger in Cagliari genommen, um 11 Uhr waren wir in München, um 12.30 Uhr war alles schon vorbei. Pause mit bayerischem Bier. Um 17 Uhr sind wir mit unserem Impfnachweis nach Cagliari zurückgereist." Für die Impfungen fand sich die Gruppe in einem Hotel in unmittelbarer Nähe des Flughafens ein.

Den Impfstoff verabreicht haben soll dem "Spiegel" zufolge ein Arzt aus München. Dieser habe auf Nachfrage erklärt, eine rechtliche Absicherung des Vorgangs seitens des Hotels erhalten zu haben. "Vor Ort war bereits alles organisiert. Der Impfstoff ist von dritter Seite zur Verfügung gestellt worden", heißt es demnach seitens des Mediziners.

Der Vorgang wird mittlerweile von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) überprüft. Denn ein an der Aktion beteiligter Arzt soll eine Kassenzulassung haben. Es werde daher nun ein mögliches Fehlverhalten geprüft, sagte KVB-Sprecher Axel Heise. "Wir wissen auch nicht, was da gelaufen ist." Er bezeichnete das Geschehen als "eigenartig". Insbesondere ist bislang nicht geklärt, woher der bei der Aktion verwendete Impfstoff stammt. In Deutschland haben grundsätzlich nur Personen mit dauerhaftem inländischen Wohnsitz oder einer deutschen Krankenversicherung Anspruch auf die Impfung.

Das Gesundheitsministerium in München geht davon aus, dass der für die Aktion verwendete Impfstoff über eine Apotheke ausgeliefert worden sein muss. In Deutschland werde der vom Bund bestellte Impfstoff über den Großhandel und die Apotheken verteilt, erläuterte die Ministeriumssprecherin. Die Apotheken geben "auf Bestellung Impfstoff ausschließlich an solche an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arztpraxen ab, die sie mit Praxisbedarf versorgen".

"Das Personal der Schönen und Reichen"

Die Opposition im bayerischen Landtag fordert eine rasche Aufklärung des Vorfalls. SPD-Fraktionschef Florian von Brunn sieht laut "Süddeutsche Zeitung" in der Aktion eine "Folge der schlecht vorbereiteten Aufhebung der Impfpriorisierung in Bayern". Er ergänzt: "Einfach abstoßend: Hier wurde das Personal der Schönen und Reichen geimpft, während alle anderen Nichtgeimpften in die Röhre schauen."

Bei den geimpften Personen handelt es sich laut "Spiegel" um Mitarbeiter eines Luxusressorts auf Sardinien, das für seine prominenten Gäste bekannt ist. So habe erst kürzlich die italienische Nationalmannschaft dort residiert, auch der chinesische Präsident Xi Jinping sei schon zu Gast gewesen.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa

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