Rätselhafte Leichenfunde im MeerJapaner bergen stark verweste Tote

Grausige Entdeckung an der japanischen Westküste: Unweit der Hafenstädte Niigate und Akita spülen die Wellen die sterblichen Überreste unbekannter Männer an. In der Nähe gefundenes Treibgut deutet auf eine weite Reise hin. Stammen die Toten aus Nordkorea?
An der Küste Japans sind teils stark verweste Leichen angeschwemmt worden, bei denen es sich nach Einschätzung der Behörden um nordkoreanische Fischer handeln könnte. Zwei der Toten seien am Wochenende an zwei verschiedenen Stellen der Insel Sado gefunden worden, sagte Polizeisprecher Hideaki Sakyo.
Wie lange die beiden Toten bereits im Wasser lagen, ist unklar. Die Insel Sado liegt rund 30 Kilometer vor der Küste der japanischen Hauptinsel Honshu im japanischen Meer auf Höhe der Hafenstadt Niigata. Nordkorea liegt rund 870 Kilometer entfernt im Westen.
Bei der Bergung und der anschließenden Untersuchung der Leichen hätten Helfer nichts entdecken können, was zu einer sicheren Identifizierung der Toten beitragen könnte, sagte Sakyo. In der Nähe eines der Toten seien jedoch elf Schachteln mit nordkoreanischem Tabak gefunden worden sowie Bootsteile und Rettungswesten mit koreanischer Schrift.
Acht Tote im gekenterten Holzboot
Zu Wochenbeginn wurden an der Küste der weiter nördlich gelegenen Präfektur Akita acht weitere Leichen entdeckt, die sich im Inneren eines gekenterten Holzbootes befanden. Das Boot war bereits am Freitag geortet worden, konnte aber aufgrund der aufgewühlten See erst am Montag geborgen werden. Bei diesen acht Todesopfern gab es zunächst keine Hinweise auf deren Herkunft.
Das Auftauchen sogenannter "Geisterschiffe" im Meer vor Japan, das in Nordkorea schlicht Ostmeer heißt, ist zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Alljährlich stranden bei bestimmten Wetterlagen dutzende abgetriebene Fischerboote aus Nordkorea an Japans Westküste. Bereits am Donnerstag hatten die Behörden rund 100 Kilometer nördlich bei der Hafenstadt Yurihonjo ein verwittertes Boot mit Fischerausrüstung entdeckt, auf dem ebenfalls koreanische Wörter standen.
Erst am Freitag tauchten an der japanischen Küste acht Fischer aus Nordkorea auf, die nach eigenen Angaben aufgrund technischer Probleme an Bord mit ihrem Boot im Meer abgetrieben waren. Ende 2015 wurden 14 verwitterte Kutter mit insgesamt zwei dutzend Leichen an Bord in Japan angeschwemmt oder vor der Küste entdeckt.
Fangquote zwingt Fischer auf die hohe See
Experten zufolge gehen nordkoreanische Fischer teilweise hohe Risiken ein und fahren mit veralteten und schlecht ausgerüsteten Booten weit aufs Meer hinaus, um staatliche Fangquoten erfüllen zu können.
Viele überlebende Fischer wollen wieder nach Nordkorea zurückkehren, andere laufen über und werden dann nach Südkorea geschickt. Die Behörden in Japan bemühen sich in der Regel, den Wünschen der geretteten Seeleute nachzukommen. Dennoch gelten die Beziehungen zwischen Japan und Nordkorea auch in dieser Frage als angespannt. Pjöngjang stößt regelmäßig herbe Drohungen gegen Japan aus.