Jede Aktion verschlimmert LeidenExperten: Buckelwal kann nicht mehr gerettet werden

Weiches Sediment, ein sinkender Wasserstand und ein erschöpftes Tier: Für den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee schwindet jede Hoffnung. Eine Expertin erklärt, dass die Bergung des noch lebendigen Tieres praktisch kaum möglich ist.
Der an der Ostseeküste vor Wismar gestrandete Buckelwal wird sich Experten zufolge nicht aus eigener Kraft befreien können. Der Wasserstand liege aktuell bei 1,40 Meter, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel. Das Tier liege "in einer Mulde im sehr weichen Sediment von etwa 30 Zentimeter", der Rücken rage rund 40 Zentimeter aus dem Wasser. "Wenn es sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, bräuchte es einen Wasserstand, der um etwa 60 Zentimeter höher ist als heute."
Diese Hoffnung gebe es aber nicht. "Die Prognose gibt das nicht her für die nächsten vier Tage. Da ist eher ein leicht sinkender Wasserstand vorhergesagt", sagte Baschek. "Darüber hinaus ist die Gesamtkonstitution und Kraft schlichtweg nicht da." Die Situation sei für alle unbefriedigend und es sei nicht schön, das Tier dort draußen so zu sehen. "Das ist für uns alle sehr bitter."
Seit mehr als einer Woche liegt der gestrandete Buckelwal im flachen Wasser vor Wismar. Ein Expertenteam war am Vormittag erneut mit einem Schlauchboot beim Wal, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen, wie ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums am Vormittag sagte. Taucher hätten die Lage und Position des Tieres überprüft.
Letzte Option: Sterben lassen
Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung in Hannover sagte nach einer Begutachtung, es sei davon auszugehen, "dass dieses Tier nicht transportfähig ist". Sollte der Wal für einen Bergeversuch in die Höhe geliftet werden, würde seine Haut abziehen. Das bedeute ein erhöhtes Leiden. "Man muss davon ausgehen, dass das Tier unter dem Stress sogar verstirbt." Es sei auch davon auszugehen, dass der Wal bereits Organschäden habe.
Wie Groß sagte, verschlechterte sich der Allgemeinzustand des im Sterben liegenden Wals weiter. Auf eine Annäherung eines Boots mit den Experten an Bord habe er nicht mehr reagiert. Der Zustand der erkrankten Haut habe sich weiter verschlechtert. Backhaus sagte, es seien alle Optionen geprüft worden. Die einzig verbliebene Option sei, das Tier tatsächlich in Ruhe zu lassen.
Der Meeresforscher Baschek sagte, nach Berichten von anderen Walexperten sei die Situation des vor Wismar liegenden Buckelwals weltweit einmalig. Es sei laut den Experten das erste Mal, dass ein Buckelwal viermal strandet. Wie Baschek sagte, kann der Buckelwal wegen des niedrigen Wasserstands den Ort seiner Strandung nicht aus eigener Kraft verlassen. Sollte der Wasserpegel steigen, hätte der Wal nicht mehr die Kraft, sich zu befreien - auch deshalb sei die Situation aussichtslos für eine Rettung.
Baschek sagte, der Kadaver des Wals werde nach seinem Tod wissenschaftlich genau untersucht und so auch die Todesursache festgestellt. An dem Skelett des Tiers habe die Universität Rostock Interesse angemeldet. Es werde geprüft, ob dem Wunsch der Rostocker entsprochen werden könne.